Interview mit Laelaps AI
Laelaps AI bietet eine Security-Intelligence-Plattform, die mithilfe autonomer Robotik und KI-gestützter Systeme Herausforderungen in der Überwachung bewältigt. Das Unternehmen wurde 2025 von Dr. Sophia Belser, Rokas Bendikas und Dr. Mania Stamatopoulou gegründet. Es zählt zu den jungen europäischen Anbietern im Bereich der autonomen Sicherheitstechnik.
Seit Juni 2026 ist Laelaps AI Mitglied im BVSW. Wir sprachen mit CEO Dr. Sophia Belser.
BVSW: Frau Dr. Belser, bitte beschreiben Sie kurz, was Laelaps AI anbietet.
Laelaps AI entwickelt eine Security-Intelligence-Plattform, die stationäre Sicherheitsinfrastruktur und autonome Robotikplattformen zu einem einheitlichen Lagebild zusammenführt. Hintergrund ist, dass immer mehr Sicherheitstechnik im Einsatz ist, von Überwachungskameras, über digitale Zutrittssysteme bis hin zu autonomen Sicherheitsrobotern. Neue Lösungen werden dabei parallel zu Legacy-Produkten betrieben, wodurch heterogene Systemumgebungen heute Realität sind. Unsere Plattform bietet eine zentrale Ebene, die alle Informationen zusammenführt und mittels KI analysiert und bewertet. Dadurch lassen sich kritische Ereignisse schneller und zuverlässiger identifizieren.
BVSW: Was war der Anlass für die Gründung von Laelaps AI?
Zum Zeitpunkt der Ukraine-Invasion haben wir drei Gründer gerade promoviert, Mania in Informatik und Robotik, Rokas in Künstlicher Intelligenz und ich im Bereich angewandter Quantenphysik. Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht, wie wir dazu beitragen können, den europäischen Raum sicherer zu gestalten. Das war der Impuls zur Gründung von Laelaps AI. Für uns war schnell klar, dass die Kombination aus KI und Autonomie hier den entscheidenden Hebel bietet. Die KI wertet die wachsende Menge an Sensordaten über alle bestehenden Systeme hinweg aus und erkennt Muster und kritische Ereignisse in Echtzeit. Autonome Robotikplattformen übernehmen Patrouillen und verifizieren Ereignisse mobil vor Ort. So schließt sich der Sicherheitskreislauf. Sicherheitskräfte werden dabei nicht ersetzt, sondern unterstützt: Sie können sich auf die Entscheidungen konzentrieren, die wirklich zählen.
BVSW: In welchen Branchen kommt Ihre Lösung heute überwiegend zu Einsatz?
Unsere Plattform kommt vor allem zur Sicherung von kritischen Infrastrukturen zum Einsatz, etwa in Rechenzentren, Energieanlagen und kritischen Produktionsstätten, im zivilen Bereich ebenso wie im militärischen Umfeld, wobei es hier vor allem um die Sicherung von Liegenschaften geht.
Je nach Zielsetzung bieten wir unterschiedliche Konfigurationsmöglichkeiten. Für manche Kunden geht es um die Überwachung des gesamten Außenbereichs, andere wollen ein begrenztes Areal im Auge behalten und beispielsweise sicherstellen, dass bestimmte Türen jederzeit geschlossen sind. Wir können die KI so anpassen, dass sie zu den Zielsetzungen passt.
BVSW: Wie ist der Ablauf eines solchen Projekts?
Wir schauen uns gemeinsam mit dem Kunden den jeweiligen Standort an, nehmen auf, welche Sicherheitslösungen bereits im Einsatz sind und besprechen die Herausforderungen vor Ort sowie die Erwartungen und Ziele. Anschließend definieren wir, welche Robotersysteme zum Einsatz kommen sollten und wie viele davon benötigt werden. Kunden müssen dabei die bestehende Hardware nicht komplett austauschen, eine sinnvolle Ergänzung bestehender Systeme genügt, da die Laelaps AI-Plattform auch mit existierender Hardware umgehen kann.
Anschließend starten wir mit dem Pilot-Projekt, das meist mehrere Monate läuft und bei dem anhand vorab festgelegter KPIs überprüft wird, wie gut sich die Ziele mit den gewählten Konfigurationen erreichen lassen.
BVSW: Arbeiten Sie mit Systemintegratoren zusammen?
Derzeit betreuen wir alle Projekte selbst. Das ist für uns wichtig, um zu überprüfen, ob die Lösung ihre Aufgaben erfüllt und wo sie sich verbessern und weiterentwickeln lässt.
BVSW: Ein klassischer Einwand gegen autonome Systeme lautet oft: Was passiert, wenn die KI falsch liegt? Wie begegnen Sie dem Risiko von Fehlalarmen?
Wir sind uns dieser Problematik bewusst, weshalb in unserer Plattform verschiedene Entscheidungsebenen vorgesehen sind. Damit lassen sich Fehlalarme weitgehend ausschließen. Unsere Software wurde zudem anhand einer Vielzahl realer Situationen trainiert und lässt sich an die lokale Umgebung anpassen. Auf Wunsch des Kunden lernt das System im laufenden Betrieb vor Ort kontinuierlich dazu. Letztlich gilt aber auch bei uns das Prinzip des „Human-in-the-loop“, bei dem der Mensch immer die finale Entscheidung trifft, was auch regulatorisch wichtig ist.
BVSW: Wo findet die Datenauswertung statt?
Diese Entscheidung liegt ganz beim Kunden. Gerade bei sensiblen Informationen für den Sicherheitsbereich müssen die Kunden darauf vertrauen können, dass ihre Daten jederzeit sicher sind. Deshalb kann die Laelaps AI-Plattform flexibel betrieben werden – On-Premises im eigenen Rechenzentrum, in einer Private Cloud oder in einer Public Cloud. So bestimmen die Kunden selbst, wo ihre Daten gespeichert und ausgewertet werden.
BVSW: Was ist derzeit Ihr wichtigster Markt?
Zentraleuropa und dort vor allem die DACH-Region. Die kritischen Infrastrukturen hier werden immer häufiger zum Ziel von Angriffen, gleichzeitig wurde in der Vergangenheit nicht genug unternommen, um diese Anlagen abzusichern. Diese Lücke gilt es jetzt zu schließen. Außerdem sehen wir auch eine steigende Nachfrage aus Nordeuropa und dem Baltikum, die noch näher an der Ukraine liegen und ihre Schutzmaßnahmen ausweiten müssen.
BVSW: Sicherheitssysteme sind oft selbst potenzielle Angriffsziele. Wie sichert Laelaps AI die Plattform ab?
Cybersecurity hat für uns höchste Priorität. Wir haben Inhouse-Spezialisten, die sich darum kümmern, und schützen die Plattform mehrschichtig. Das reicht von sicheren Kommunikationsprotokollen über die Absicherung der Geräte bis hin zur sicheren Speicherung und Auswertung der Daten.
BVSW: Laelaps AI ist seit Kurzem Mitglied beim BVSW. Was hat Sie dazu bewogen, dem Verband beizutreten?
Ich finde es sehr spannend, dass der BVSW so viele unterschiedliche Branchen zusammenbringt, von Unternehmen aus dem militärischen und sicherheitstechnischen Bereich bis hin zu Anwenderunternehmen. Gleichzeitig hat mir gefallen, dass der Verband Unternehmen von ganz unterschiedlichen Größen offensteht, DAX-Unternehmen sind ebenso vertreten wie kleinere Betriebe. Für uns als junges Unternehmen ist es wichtig, Kontakte in die Sicherheitsbranche zu knüpfen und uns mit anderen auszutauschen. BVSW bietet hier viele Möglichkeiten.
Vielen Dank für das Gespräch!