International SOS arbeitet mit Unternehmen zusammen, um deren Mitarbeitende weltweit vor Gesundheits- und Sicherheitsbedrohungen zu schützen. Wolfgang Hofmann, Regional Security Manager Germany & Austria, sprach mit uns über die derzeitige Sicherheitslage bei Reisen in die USA.
Der Sicherheitsexperte Wolfgang Hofmann ist Redner auf dem BVSW Peer-Austausch Auslandssicherheit am 11. Juni 2026.

BVSW: Herr Hofmann, wie bewerten Sie aktuell die Sicherheitslage für Reisende in die USA?
WH: Die Sicherheitslage ist weitestgehend unverändert gegenüber der Zeit vor Donald Trumps zweiter Präsidentschaft. Zwar kommt es immer wieder zu vereinzelten Protesten, etwa wie zuletzt in Minnesota. Doch auch in der Vergangenheit gab es bereits vergleichbare Protestbewegungen, beispielsweise im Zusammenhang mit dem Tod von George Floyd, der im Mai 2020 durch einen Polizisten getötet wurde. Ereignisse wie diese können immer wieder auftreten.
BVSW: Die Einreisebedingungen für ESTA-Reisende sollen verschärft werden. Welche Änderungen sind geplant?
WH: Die geplanten Veränderungen zielen vor allem darauf ab, die digitale Vergangenheit des Einreisenden zu durchleuchten. Dafür sind die Social Media Accounts, Telefonnummern und E-Mail-Adressen von Interesse, teilweise rückwirkend für die letzten 10 Jahre. Werden diese Informationen zusammengeführt und mit KI ausgewertet, lässt sich ein recht umfassendes Gesamtbild erstellen. Auch aktuell gibt es beim ESTA-Antrag eine Abfrage von Social Media Accounts, die Angabe ist jedoch freiwillig.
BVSW: Ist im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft mit besonderen Einreisebestimmungen zu rechnen?
WH: Über das Thema wird derzeit heiß diskutiert, insbesondere über die Frage, ob die genannten Verschärfungen bereits vor, oder erst nach der Fußballweltmeisterschaft 2026 eingeführt werden sollen. Für Reisende zur Fußballweltmeisterschaft ist eine beschleunigte Vergabe von Visum-Interviewterminen geplant: Für Touristen bestehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten in die USA einzureisen, entweder das genannte ESTA-Verfahren oder das B1/B2 Visum. Wer einen FIFA-Pass besitzt, der soll einen bevorzugten Termin für das Interview erhalten. Dieses Interview ist aber keine Garantie für die Einreise.
BVSW: Sind vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten intensivere Sicherheitsprüfungen erkennbar?
WH: Tatsächlich sehen wir schon jetzt sehr intensive Sicherheitsüberprüfungen bei Einreisen in die USA. Diese begründen sich jedoch nicht auf den Krieg im Iran, sondern auf eine sogenannte „Presidential Action“, die bereits am 20. Januar 2025 veröffentlicht wurde. Darin werden die US-Grenzbeamten aufgefordert, alle Ausländer so umfassend wie möglich zu überprüfen und zu kontrollieren – insbesondere diejenigen, die aus Ländern oder Regionen stammen, in denen Sicherheitsrisiken festgestellt wurden. Zwar zählen Länder, die am ESTA-Verfahren teilnehmen, nicht zu den Ländern mit besonderen Risiken. Aber die Verordnung hatte bereits Auswirkungen auf die Art und Weise der Überprüfungen.
BVSW: Welche ESTA-Angaben führen bei der Einreise in die USA besonders häufig zu Rückfragen oder Problemen?
WH: Das Wichtigste ist, die Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten. Eventuelle Widersprüchlichkeiten führen in der Regel immer zu Rückfragen. Auch die Frage nach besuchten Ländern müssen Reisende gewissenhaft beantworten, denn es gibt mehrere Länder, nach deren Besuch man nicht mehr per ESTA-Verfahren in die USA einreisen darf. Auf dieser Staatenliste steht seit dem 21. Januar 2021 auch Kuba. Wer also dort im Urlaub war und das nicht im Fragebogen angibt, wird Schwierigkeiten bekommen, wenn die Grenzbeamten den Aufenthalt nachvollziehen können.
BVSW: Die endgültige Entscheidung über die Einreise liegt bei den US-Grenzbeamten. Wie sollten sich Reisende idealerweise auf eine Befragung vorbereiten und welche Unterlagen sollten sie griffbereit haben?
WH: Reisende sollten möglichst ausgeglichen in diese Befragung starten, also weder übermüdet noch unterzuckert trotz des langen Flugs. Idealerweise wird im Flugzeug noch etwas gegessen oder getrunken, bevor es zur Einreise geht. Den Grenzbeamten sollte man höflich, freundlich und ehrlich begegnen.
Für Geschäftsreisende empfiehlt es sich, das Rückflugticket sowie die Hotelbuchung parat zu haben. Auch ein Einladungsschreiben des Unternehmens kann hilfreich sein, insbesondere, wenn das Personal vorab in exotischen Ländern unterwegs war. Letztlich bleibt aber immer ein gewisses Restrisiko, ungünstige Umstände oder ein besonders strenger Grenzbeamter lassen sich nicht vollständig ausschließen.
BVSW: US-Behörden haben das Recht, elektronische Geräte bei der Einreise zu kontrollieren. Wie läuft so eine Überprüfung typischerweise ab?
WH: Entweder in Kooperation mit dem Reisenden, der aufgefordert wird, das Gerät einzuschalten und freizugeben. Hier wird auch wieder insbesondere auf die Social Media Profile geachtet. Falls sich bestimmte Verdachtsfälle ergeben, kann eine weiterführende forensische Untersuchung stattfinden, die dann in einem getrennten Raum durchgeführt wird. Die Überprüfungen finden stichprobenartig statt.
BVSW: Wie können Unternehmen vertrauliche Daten schützen?
WH: Unternehmen sollten sich generell die Frage stellen, ob schützenswerte Informationen vorhanden sind. Darauf aufbauend gilt es zu entscheiden, wie mit diesen Informationen umgegangen wird. Prinzipiell können nur Informationen abfließen, die sich auf dem Rechner befinden. Eine Verschlüsselung kann unter Umständen zusätzliche Nachfragen auslösen.
Eine mögliche Alternative wäre, die vertraulichen Informationen nicht lokal, sondern in einer Cloud zu speichern. Der Zugriff darauf sollte nicht über eine vorinstallierte App, sondern über den Browser erfolgen. Allerdings sollte man beachten, dass sich das Problem damit eventuell nur verschiebt, denn letztlich erfolgt der Zugriff von den USA heraus über einen amerikanischen Provider.
Von Schutzmethoden nach „James-Bond-Manier“ ist generell abzuraten, etwa von gut versteckten Datenträgern an vermeintlich sicheren Plätzen im Gepäck. Werden sie entdeckt, ist mit weitergehenden Fragen zu rechnen.
BVSW: Welche Maßnahmen empfehlen Sie Unternehmen, um ihre Mitarbeitenden auf USA-Reisen abzusichern?
WH: Ein häufig unterschätzter Aspekt ist das Thema Gesundheit. Zwar ist die Gesundheitsversorgung in den USA gut, doch sie kann schnell sehr teuer werden, beispielsweise in privaten Kliniken. Unternehmen haben die Möglichkeit, auf Dienstleister zurückzugreifen, die dabei unterstützen, eine angemessene Versorgung zu einem vernünftigen Preis zu sichern. Größere Unternehmen sind bei der Gesundheitsvorsorge im Ausland allgemein gut aufgestellt, etwas anders sieht es bei kleineren und mittleren Unternehmen aus.
BVSW: Extreme klimatische Bedingungen sind in den USA keine Seltenheit. Welche Risiken sollten Unternehmen berücksichtigen?
WH: Die USA sind ein Land der Wetterextreme, von starken Temperaturschwankungen bis hin zu Hurrikans und Tornados. Die Fußballweltmeisterschaft 2026 fällt tatsächlich in die Hurrikan-Saison. Andererseits kommen solche extremen Wetterlagen nie überraschend, ein Hurrikan baut sich über längere Zeit auf. Es ist daher empfehlenswert, regelmäßig einen Blick auf die Wettervorhersage zu werfen.
BVSW: Welche gesundheitlichen Risiken werden bei USA-Reisen oft unterschätzt und welche Vorsorgemaßnahmen sollten getroffen werden?
WH: Die USA sind nicht nur ein Land der extremen Wetterlagen, sondern auch der extremen Kontraste überhaupt, Großstädte gehen in teilweise extreme Wildnis über. Allein mit diesen Gegensätzlichkeiten zurechtzukommen kann zur Herausforderung werden.
Letztes Jahr haben wir zudem einen der größten Masernausbrüche seit drei Jahrzehnten in den USA gesehen, die Mehrheit der Erkrankten war nicht geimpft. Es lohnt sich also, vor einer Reise in die USA den eigenen Impfstatus zu überprüfen.
BVSW: Vielen Dank für das Gespräch!
Hinweis zu einer Aufzeichnung zum Thema Fußball-Weltmeisterschaft 2026:
Travel Smart for the 2026 Soccer Tournament: Managing Risk in Mexico and Canada
Im Zuge der Fußball-WM 2026 steigt das Reiserisiko in Nordamerika. Eine Expertenaufzeichnung zeigt, wie Unternehmen Reisen zu Großereignissen sicher planen können – mit Fokus auf Sicherheit, Gesundheitsrisiken, Fürsorgepflicht und Notfallplanung.
Hier können sich die Leser die Aufzeichnung kostenfrei ansehen:
https://www.internationalsos.com/events/travel-smart-2026-soccer-tournament