Das Oktoberfest ist jedes Jahr eine besondere Herausforderung für die Sicherheitsverantwortlichen. Millionen Besucherinnen und Besucher, dichteste Menschenströme, internationale Gäste und eine Vielzahl möglicher Gefahrenlagen erfordern ein Sicherheitskonzept, das vorausschauend, vernetzt und flexibel ist. Die Wiesn 2026 zeigt dabei deutlich: Die Zukunft der Sicherheit liegt im Zusammenspiel von qualifizierten Sicherheitskräften, moderner Technologie und einer engen Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Der Bayerische Verband für Sicherheit in der Wirtschaft (BVSW) begrüßt die Weiterentwicklung des Sicherheitskonzepts und sieht insbesondere in der Verbindung von menschlicher Expertise und digitalen Technologien einen wichtigen Schritt für die Zukunft.

KI macht Besucherströme besser planbar

Eine wesentliche Neuerung ist der verstärkte Einsatz von Daten und Künstlicher Intelligenz zur Analyse der Besucherströme.

Mehr als 50 Kameras der Stadt an rund 35 Positionen sowie weitere Kameras der Polizei liefern Informationen über die Situation auf dem Festgelände. Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung unterstützt bei der anonymisierten Analyse des Videomaterials.

Ziel ist es, kritische Entwicklungen möglichst frühzeitig zu erkennen und Überfüllungen entgegenzuwirken.

Aus Sicht des BVSW ist das ein wichtiger Ansatz: Je früher Sicherheitsverantwortliche Veränderungen in einer Menschenmenge erkennen, desto größer ist der Handlungsspielraum.

Dabei muss der Einsatz von KI immer mit klaren Regeln, Datenschutz und einer verantwortungsvollen menschlichen Bewertung verbunden sein. Technologie kann Muster erkennen und Informationen liefern – die Entscheidung über konkrete Sicherheitsmaßnahmen bleibt eine Aufgabe qualifizierter Fachkräfte.

Sicherheitskräfte bleiben unverzichtbar

Gerade bei Großveranstaltungen zeigt sich, welchen Stellenwert professionelle Sicherheitsdienste haben.

Ein Algorithmus kann eine ungewöhnliche Bewegung in einer Menschenmenge erkennen. Er kann aber nicht mit einem verunsicherten Besucher sprechen, eine Situation deeskalieren, einen Fluchtweg freihalten oder unmittelbar auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren.

Deshalb ist für den BVSW klar: Die Digitalisierung der Sicherheitswirtschaft bedeutet nicht weniger Menschen, sondern besser unterstützte Menschen.

Qualifikation, Erfahrung und situatives Handeln bleiben zentrale Voraussetzungen für einen wirksamen Veranstaltungsschutz. Moderne Technik erweitert die Möglichkeiten der Sicherheitskräfte – sie ersetzt deren Kompetenz nicht.

Vernetzung ist der Schlüssel

Die Sicherheit der Wiesn kann nur funktionieren, wenn viele Akteure ineinandergreifen: Stadt, Polizei, Bundespolizei, Feuerwehr und Rettungsdienste, Veranstalter sowie private Sicherheitsunternehmen.

Der BVSW setzt sich deshalb für eine noch engere Vernetzung aller Sicherheitsverantwortlichen ein. Informationen müssen schnell und zuverlässig dort ankommen, wo Entscheidungen getroffen werden. Zuständigkeiten müssen klar definiert und Schnittstellen regelmäßig gemeinsam geübt werden.

Die Erfahrungen des vergangenen Jahres haben zudem gezeigt, wie wichtig eine verständliche und schnelle Kommunikation mit den Besucherinnen und Besuchern ist. Vorgefertigte mehrsprachige Lautsprecherdurchsagen können dabei helfen, in dynamischen Situationen schnell zu reagieren.

Neue Bedrohungen erfordern neue Antworten

Mit der zunehmenden Verbreitung von Drohnen entstehen zusätzliche Herausforderungen für den Schutz von Großveranstaltungen. Die Münchner Polizei hat deshalb ihre Konzepte zur Drohnendetektion und -abwehr weiterentwickelt.

Auch hier gilt aus Sicht des BVSW: Sicherheit muss sich kontinuierlich an neue Bedrohungen anpassen.

Was heute noch als Spezialthema gilt, kann morgen Bestandteil jedes professionellen Veranstaltungsschutzkonzepts sein. Sicherheitsunternehmen müssen deshalb technologische Entwicklungen frühzeitig erkennen, bewerten und ihre Mitarbeiter entsprechend qualifizieren.

Sicherheit ist eine gemeinsame Verantwortung

Rund 600 Polizeibeamte, zusätzliche Sicherheitskräfte, Bundespolizei, internationale Polizeikräfte sowie verstärkte Rettungsstrukturen sorgen auch in diesem Jahr für ein umfassendes Sicherheitsnetz rund um die Wiesn.

Der BVSW sieht darin ein wichtiges Signal: Professionelle Sicherheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Gerade bei Veranstaltungen dieser Größenordnung können öffentliche Sicherheitsbehörden ihre Aufgaben nur im Zusammenspiel mit leistungsfähigen privaten Sicherheitsdienstleistern und den weiteren beteiligten Organisationen erfüllen.

Der BVSW: Für eine moderne und professionelle Sicherheitswirtschaft

Das Oktoberfest ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich die Anforderungen an Sicherheit verändern.

KI, Videoanalyse, Crowd Management und Drohnendetektion werden die Sicherheitsarbeit künftig noch stärker prägen. Gleichzeitig bleiben qualifizierte und gut ausgebildete Sicherheitskräfte der entscheidende Faktor bei der Umsetzung vor Ort.

Der BVSW setzt sich deshalb für eine Sicherheitswirtschaft ein, die professionell, qualifiziert, technologisch aufgeschlossen und eng mit den staatlichen Sicherheitsstrukturen vernetzt ist.

Unser Ziel ist eine Sicherheitsarchitektur, in der Innovation und Erfahrung zusammengehören.

Denn sichere öffentliche Räume entstehen nicht allein durch mehr Technik. Sie entstehen durch Menschen, die Technik verstehen, Verantwortung übernehmen und im entscheidenden Moment richtig handeln.