Der BVSW hat gemeinsam mit dem langjährigen Mitgliedsunternehmen SecCon Group GmbH eine Weiterbildung im operativen Sicherheitsmanagement entwickelt, die erstmals Qualitätsstandards in einem bislang unregulierten Markt setzt. Der Lehrgang für angehende Personenschützer stößt auf große Resonanz und wird demnächst bereits zum zweiten Mal angeboten. Einen Einblick in die Ausbildung gibt dieser Beitrag.

Ob Unternehmensvertreter, Vermögensinhaber oder Person des öffentlichen Lebens: Ein gewisser Bekanntheitsgrad kann heute ein potenzielles Sicherheitsrisiko darstellen – für die exponierte Person selbst ebenso wie für ihre Familie. Im Rahmen einer wirkungsvollen Risikobehandlungsstrategie sind neben organisatorischen und technischen Schutzmaßnahmen auch hoch qualifizierte Personenschützer erforderlich, um das Risikoportfolio deutlich zu reduzieren. Doch die Anforderungen an die Kompetenzen des eingesetzte Schutzpersonal sind intransparent und nicht reguliert.

„Rein gewerberechtlich darf jeder Personenschutz anbieten. Das Berufsfeld ist bis heute jedoch nicht qualitativ geregelt“, sagt Markus Weidenauer, Geschäftsführer der SecCon Group GmbH. Der Sicherheitsexperte verfügt selbst über langjährige Erfahrung im operativen Sicherheitsmanagement und hat das Ausbildungsprogramm gemeinsam mit dem BVSW entwickelt. Die SecCon Group GmbH gehört zu den führenden Unternehmen im Bereich des operativen Sicherheitsmanagements für exponierte Personen, Familien und Unternehmen und ist seit Jahrzehnten für diverse Klienten in diesem Feld tätig. Gemeinsam mit dem BVSW e.V. wurde das nun umgesetzte Ausbildungsformat entwickelt und mit handverlesenen Referenten und Trainern durchgeführt.

„Als Sicherheitsverband verfolgen wir das Ziel, unseren Mitgliedsunternehmen geeignetes Personal zuzuführen“, sagt Caroline Eder, Geschäftsführerin des BVSW. „Gerade im Bereich des operativen Sicherheitsmanagements haben wir einen großen Bedarf gesehen, für den es kein passendes Format gab. Mit der Weiterbildung wollen wir diese Lücke schließen.“

Vorteil durch Praxis und Netzwerk

Der BVSW bietet durch sein über Jahre gewachsenes Netzwerk die optimalen Rahmenbedingungen für eine Weiterbildung im operativen Sicherheitsmanagement. Da erkannt wurde, dass der Aufgabenbereich eines Personenschützers neben den bekannt klassischen Aufgaben viele strategische Aspekte beinhaltet. Darüber hinaus verfügt der Verband durch den intensiven Austausch mit Unternehmen über ein genaues Verständnis, welche Anforderungen heutzutage an Personenschützer gestellt werden. Im Umkehrschluss sieht sich der Verband als Vermittler zwischen den Mitgliedsunternehmen und den Lehrgangsteilnehmern, die den Lehrgang erfolgreich abgeschlossen haben. So entsteht eine echte Win-Win-Situation. Die Trainer für die Weiterbildung kommen ausschließlich aus der Praxis und bringen somit praxisorientierte Lösungsansätze ein, die sofort in den Arbeitsalltag der Lehrgangsteilnehmer integriert werden können. Hinzu kommt die langjährige Erfahrung des BVSW bei der Konzeption und Durchführung von Weiterbildungsangeboten mit dem Fokus auf praxisorientierten Lerninhalten.

Vielseitiges Ausbildungsprogramm

Die Weiterbildung ist modular aufgebaut und orientiert sich inhaltlich an den vielschichtigen Anforderungen des operativen Sicherheitsmanagements. Die Teilnehmenden werden nicht nur fachlich qualifiziert, sondern auch dazu befähigt, ihre Schutzmandate ganzheitlich zu planen und umzusetzen. Für dieses Ziel stehen theoretische Unterrichtseinheiten und Praxisübungen in sechs unterschiedlichen Handlungsbereichen auf dem Lehrplan.

1) Handlungsbereich Sozialkompetenz
Personenschutz erfordert ein Höchstmaß an sozialer Handlungssicherheit und deshalb gehört das Thema Sozialkompetenz mit zu den Ausbildungsinhalten. Die Teilnehmenden sollen zum einen lernen, sich souverän in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten bewegen zu können. Alles Wesentliche dafür wird im Ausbildungsmodul Etikette vermittelt, beginnend vom stilvollen Auftreten bis hin zu den richtigen Tischmanieren. Den Abschluss dieses Moduls bildet ein stilvolles Abendessen, bei dem die Teilnehmenden zeigen müssen, dass sie das Gelernte richtig umsetzen können. Im Modul Teambuilding steht die Fähigkeit im Fokus, mit anderen Personen in Kontakt zu treten und ihnen wertschätzend zu begegnen, um ein Ziel in arbeitsteiliger Verantwortung zu erreichen. Teamübungen im Indoor- und Outdoor-Bereich dienen dabei nicht nur der Entwicklung gruppendynamischer Kompetenzen, sondern auch der Überprüfung der körperlichen Mindestbelastbarkeit.  

2) Handlungsbereich Technik
Der Einsatz modernster Technologien ist heute ein integraler Bestandteil jedes Sicherheitskonzepts. Die Teilnehmenden erwerben Kenntnisse über die richtige Nutzung und Funktionsüberwachung von technischen Schutzmaßnahmen. Der Handlungsbereich Technik unterteilt sich in zwei Schwerpunkte: Einerseits die elektronischen Schutzmaßnahmen von Gefahrenmeldeanlagen über Videoanlagen bis hin zu Zutrittskontrollsystemen und andererseits die baulichen bzw. mechanischen Schutzmaßnahmen mit dazugehörigen Normen und Richtlinien.

3) Handlungsbereich Recht
Personenschützer agieren in einem komplexen Rechtsrahmen, entsprechend konzentriert sich der Unterricht auf das Anwenden von Eingriffsnormen. Die Teilnehmenden vertiefen ihr bereits erworbenes Wissen aus der geforderten Vorqualifikation durch praxisnahe Fallbeispiele und detaillierten Aufgabenstellungen zu aktuellen Rechtsthemen. Die Schulungsinhalte sollen die angehenden Personenschützer in die Lage versetzen, Verstöße gegen rechtliche Normen zu erkennen und rechtlich konformes Handeln für den Dienstbetrieb abzuleiten. Hierfür werden Kenntnisse im Strafrecht, der Strafprozessordnung, dem Waffenrecht sowie dem Datenschutzrecht vermittelt.

4) Handlungsbereich Operativ
Dieser zentrale Bereich der Ausbildung umfasst insgesamt 12 Tage und unterteilt sich wiederum in vier unterschiedliche Themenfelder:

Im ersten Themenblock lernen die Teilnehmenden alles über Aufklärungsmaßnahmen und wie sie richtig geplant, durchgeführt und dokumentiert werden, um gegnerische Ansätze zu erkennen. Im Weiteren werden spezielle Kenntnisse in präventiver Verhaltenserkennung vermittelt: Anhand von Mikromimik, Körpersprache und Bewegungsmustern lernen die Teilnehmenden Abweichungen vom Normverhalten zu erkennen.

Der Bereich Personenschutztaktik, der Schwerpunkt des operativen Handlungsbereichs, umfasst fünf Tage. Dabei stehen theoretische Bereiche wie Spannungsfelder in der Auftragsdurchführung, Einsatzvarianten, Einsatzmittel sowie Attentatsanalysen ebenso auf dem Programm wie umfassende praktische Übungsszenarien. Da in der heutigen Gesellschaft eine hohe weltweite Mobilität vorherrscht, werden im vierten Teil dieses Ausbildungsabschnitts Kompetenzen im Bereich Reisesicherheit vermittelt. Dazu gehören die Grundlagen des Travel Risk Managements (TRM) gemäß ISO 31030, die Erstellung einer Risikoanalyse für Reisen sowie das Notfall- und Krisenmanagement im TRM.

5) Handlungsbereich Analysen
Fundierte Analysen bilden die Grundlage jedes Schutzauftrags. Dafür vermittelt die Weiterbildung das notwendige Rüstzeug: Im Qualifikationsschwerpunkt Risikoanalysen erlernen die Teilnehmenden die Grundzüge des Risikomanagements nach ISO 31000 und dessen Anwendung in Bezug auf persönliche Sicherheitsrisiken. Im Bereich Schwachstellenanalysen an Objekten wird vermittelt, wie Schwachstellen in der täglichen Arbeitspraxis strukturiert erfasst werden und sich transparent in Berichtsform darstellen lassen.

Da sich Gefährdungspotenziale zunehmend im digitalen Raum entwickeln, gehören auch die Themen Open Source Intelligence (OSINT) und Social Media Intelligence zum Curriculum. Die Teilnehmenden lernen, im Internet frei zugängliche Informationen auszuwerten und Personenrecherchen durchzuführen.

6) Handlungsbereich Psychologie
Beim Personenschutz steht die Arbeit mit Menschen im Mittelpunkt. In diesem Themenfeld lernen die Teilnehmenden, menschliches Verhalten einzuschätzen und angemessen darauf zu reagieren. Zusätzlich stehen Themen wie Stressbewältigung, Selbstmotivation und Stärkung der Frustrationstoleranz auf der Agenda.

Weiterbildung für qualifizierte Sicherheitskräfte

Die anspruchsvolle Weiterbildung ist auf erfahrene Sicherheitskräfte ausgerichtet. Im ersten Schritt wird die persönliche Eignung im Rahmen eines Einzelgesprächs geprüft. „Unser Ziel ist es, Kandidaten herauszufiltern und auszubilden, die im Tätigkeitsfeld des Personenschutzes realistische und langfristige Beschäftigungsperspektiven haben“, sagt Weidenauer.

Die formale Voraussetzung für eine Teilnahme ist eine abgeschlossene Ausbildung im Sicherheitsbereich. Bei behördlichem Hintergrund zählen dazu die mittlere Laufbahn im Polizeivollzugsdienst oder die Feldwebellaufbahn der Feldjägertruppe. Aus der privaten Sicherheitswirtschaft werden Bewerber mit einem IHK-Abschluss als „Geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft“ zugelassen oder auch Kandidaten mit einer Ausbildung zur „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“.

Ergänzend ist eine Waffensachkundeprüfung nach § 7 WaffG für Kurzwaffen erforderlich, die ebenfalls beim BVSW abgelegt werden kann. Zu den Anforderungen gehören außerdem ein Sanitätshelfer-Lehrgang (Abschluss ebenfalls beim BVSW möglich) oder der Einsatzhelfer B der Bundeswehr, der Führerschein der Klasse B, sehr gute Deutschkenntnisse und ein Auszug aus dem Bundeszentralregister ohne Einträge.

Organisation und Ausbildungsrahmen

Die Weiterbildung ist als durchgängiges Präsenzformat konzipiert. Das bedeutet, dass sich die Teilnehmenden in einem geschlossenen Lehrgangsbetrieb befinden. Dieses Setting bietet eine realitätsnahe Trainingsumgebung, in der neben den fachlichen Inhalten auch Teamdynamik, Belastbarkeit und professionelles Verhalten unter Dauerbeanspruchung beobachtet und reflektiert werden können.

Schulungsort ist unter anderen das BayZE (Bayerisches Zentrum für besondere Einsatzlagen). Die Voraussetzungen dort ermöglichen sowohl die Vermittlung theoretischer Inhalte als auch die Durchführung komplexer Einsatzszenarien unter kontrollierten Bedingungen.

Die Weiterbildung gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Module. Den Abschluss bildet eine legendierte, dreitägige Abschlussprüfung im Realeinsatz im Großraum München.

Exklusive Einblicke in Krisenmanagement, Prävention und Best Practices für internationale Geschäftsreisen

Am 11. Juni 2026 lädt der BVSW seine Mitglieder zu einem exklusiven Peer-Austausch zum Thema Auslandssicherheit in das Lufthansa Aviation Training am Munich Airport ein.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen Best Practices, reale Vorfälle sowie wirksame Präventionsmaßnahmen rund um internationale Geschäftsreisen und Auslandseinsätze. Ziel ist es, aktuelle Herausforderungen praxisnah zu beleuchten und gemeinsam Lösungsansätze zu diskutieren.

Themenschwerpunkte sind unter anderem:

Die Veranstaltung bietet neben fundierten Fachimpulsen einen vertraulichen Austausch auf Augenhöhe. Teilnehmende profitieren von praxisnahen Einblicken, wertvollen Erfahrungsberichten sowie der Möglichkeit zum intensiven Networking.

Ein besonderes Highlight ist die exklusive Führung durch das Lufthansa Aviation Training.

Hinweis: Die Kapazitäten sind begrenzt – die Vergabe der Plätze erfolgt nach dem Prinzip „First come, first served“.

Die Teilnahme ist für BVSW-Mitglieder kostenfrei und exklusiv.

Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung!

Flyer Peer-Austausch Auslandssicherheit (9)Download Programm

Markus Vollerthun, Geschäftsführer Veranstaltungsdienst Paul Mayr GmbH & Co. KG

Im Interview: Markus Vollerthun, Geschäftsführer Veranstaltungsdienst Paul Mayr GmbH & Co. KG (VD Mayr) ist dieses Jahr Speaker auf der BVSW SecTec (21.-22. April 2026 in München)
Die VD Mayr zählt zu den führenden Anbietern für die flexible Betreuung von sportlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen. Beim Recruiting setzt das mittelständische Traditionsunternehmen auf Künstliche Intelligenz (KI), um die Prozesse effizienter zu gestalten. Wir haben mit dem Geschäftsführer Markus Vollerthun über seine Erfahrungen gesprochen

Wo liegen die größten Herausforderungen beim Recruiting in Ihrem Unternehmen?
Wir sind auf die Sicherung von Veranstaltungen spezialisiert, von Sportevents wie Fußballspielen über Kulturveranstaltungen, etwa in der Oper oder im Münchner Prinzregententheater, bis hin zu Messen. Zudem bieten wir klassischen Objektschutz an.

Gerade im Veranstaltungsbereich müssen wir zu bestimmten Zeitpunkten sehr viele Mitarbeiter gleichzeitig einstellen. Dieses punktuelle High-Volume-Recruiting bedeutet einen enormen organisatorischen Aufwand.

Was heißt das konkret?
Nehmen wir mal den Sportbereich als Beispiel:Für die Sicherung eines Fußballspiels benötigen die Mitarbeiter grundsätzlich zwei Basis-Qualifikationen: Die Unterrichtung nach §34a GewO sowie die Schulung zur Qualifizierung Sicherheits- und Ordnungsdienste, kurz „QuaSOD“ vom DFB.

Früher wurden diese Vorrausetzungen den Bewerbern immer bei einem Gruppentermin vermittelt. Zu diesen Terminen hat unser Recruiting etwa zehn Bewerber gleichzeitig eingeladen. Ein solcher Termin dauerte rund zwei Stunden, hinzu kam etwa eine Stunde jeweils für Vor- und Nachbereitung. Haben Bewerber ihre Termine abgesagt, verschoben oder gab es Nachfragen, erhöhte sich der Aufwand entsprechend. Diese Voraussetzungen erklärt heute sehr geduldig und ausführlich unsere KI den Bewerbern und entlastet dadurch massiv die Personalabteilung.

Was war der Auslöser, sich mit KI im Recruiting zu beschäftigen?
Wir hatten uns Anfang 2025 Wachstumszeile bis 2030 gesetzt und wollten diese erreichen, ohne die Verwaltungskosten zu erhöhen. Im Zuge der Überlegung, wie wir das erreichen, bin ich eher zufällig bin ich bei einer Recherche darauf gestoßen, dass KI auch im Recruiting unterstützen kann. Ab diesem Zeitpunkt haben wir das Thema konsequent weiterverfolgt, bis wir eine passende Lösung gefunden hatten.  

Wie sind Sie bei der Auswahl eines KI-Tools vorgegangen?
Es gibt tatsächlich mehrere Anbieter, die sich auf den ersten Blick ähneln. Wir haben uns sechs oder sieben Lösungen genauer angesehen.

Unsere zentrale Anforderung lag darin, unseren gesamten Onboarding-Prozess abzubilden – von der Bewerbung über das Job-Portal, über die Terminvereinbarung zum Vorstellungsgespräch bis hin zur Vertragserstellung. Gleichzeitig sollte die Lösung eine gewisse Wirtschaftlichkeit bieten. Das konnte nur unser aktueller Partner Paul’s Job leisten.

Wie hat sich Ihr Recruiting-Prozess durch den Einsatz von KI verändert?
Vor der Einführung haben wir für die Auswahl und Einstellung von 50 Personen rund 40 Arbeitsstunden benötigt, heute schaffen wir das in ca. 15 Minuten. Die KI übernimmt einen Großteil der administrativen Tätigkeiten, das heißt sie überprüft die formalen Voraussetzungen, vereinbart Termine und kann bei eventuellen grundlegenden Fragen schon weiterhelfen.

Hat sich die Passgenauigkeit der Mitarbeitenden verbessert?

Die KI kann bereits eine gute Vorauswahl treffen und das hilft tatsächlich dabei, die Passgenauigkeit zu verbessern.

Nehmen wir als Beispiel Empfangsmitarbeiter: Hier sind gute Deutschkenntnisse, Freundlichkeit und Kritikfähigkeit entscheidend. Diese Aspekte werden in einem telefonischen Erstgespräch überprüft, das nun von der KI geführt wird.

Selbstverständlich werden die Bewerber vorab darüber informiert, dass sie mit einer KI sprechen. Doch diese Lösung verbessert auch die sogenannte Candidate Experience deutlich und bietet damit Vorteile für alle: Gespräche können jederzeit stattfinden, was die Terminfindung vereinfacht und die Prozesse beschleunigt.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihr System im Sinne Ihrer Anforderungen arbeitet?
Die KI ist ein Werkzeug. Entscheidend ist, wie sie konfiguriert und trainiert wird.

Zu Beginn war daher eine gewisse Justierarbeit notwendig, um der KI unseren Unternehmensspirit zu vermitteln. Jede Antwort musste zunächst durch einen Mitarbeiter freigegeben werden. Wir haben definiert, welche Formulierungen verwendet werden dürfen und welche Spielräume die KI hat.

Ein Beispiel: Formal müssen die Sicherheitskräfte zu Einsatzbeginn mindestens 18 Jahre alt sein. Die KI würde also alle Bewerber unter 18 rigoros ausschließen. Wir mussten ihr beibringen, dass Bewerbungen ab etwa17,5 Jahren sinnvoll sind, da zwischen der Bewerbung und dem ersten Einsatz Zeit vergeht.

Auch im laufenden Betrieb bleibt diese Feinjustierung wichtig. So kann es vorkommen, dass die KI Dinge tut, die nicht zur gewünschten Kommunikation passen, etwa, dass sie einen zu lockeren Ton anschlägt oder plötzlich Emojis in ihren Antworten verwendet. Deshalb ist es wichtig, regelmäßig ein Auge auf die Kommunikation zu haben und bei Bedarf nachzubessern.

Wie wurde das Tool in Ihrem Unternehmen angenommen?
Sehr positiv, auch weil wir unsere Personalabteilung von Anfang an aktiv in den Prozess einbezogen haben. Wir haben ihnen den Einsatz von KI vorgeschlagen und bewusst ihre Einschätzung dazu eingeholt. Sie haben das Potenzial erkannt und das Thema dann auch intern konsequent mit vorangetrieben. Für unsere drei Mitarbeiterinnen in der Personalabteilung sind durch den Einsatz der KI vor allem die repetitiven und administrativen Aufgaben deutlich weniger geworden. Dadurch können sie sich heute mehr auf die Bereiche konzentrieren, die bewusst in menschlicher Hand bleiben sollten, nämlich den direkten Austausch mit Bewerbern sowie die individuelle Vertragsgestaltung.

Gerade die persönliche Komponente ist aus unserer Sicht weiterhin entscheidend und wird durch den Einsatz von KI nicht ersetzt, sondern gestärkt.

Vielen Dank für das Gespräch!

BVSW Interview mit Dr. Daniel Huber, Gründer SIMBLAST GmbH

Wie wirken Anprall, Beschuss oder Sprengungen auf umliegende Strukturen? Fragen wie diese beantwortet die SIMBLAST GmbH mithilfe numerischer Simulation. Die Erkenntnisse fließen in Gefährdungs- und Schädigungsanalysen ein und können dabei helfen, Schutzmaßnahmen zu optimieren.

Dr. Daniel Huber, Gründer der SIMBLAST GmbH, ist dieses Jahr Referent bei der BVSW SecTec (21.04.2026-22.04.2026). Wir haben vorab mit ihm gesprochen.

(Bildrechte: Dr. Daniel Huber):
Dr. Daniel Huber, Gründer der SIMBLAST GmbH
  1. Dr. Huber, worum geht es bei numerischer Simulation?
    Numerische Simulation ist eine computer-basierte Berechnungsmethode, die dazu dient, komplexe physikalische Vorgänge durch mathematische Modelle nachzustellen. Beispielsweise, wie verhält sich ein Stahlblech, wenn es beschossen wird? Mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen kann man das Stahlblech so gestalten, dass es die maximale Sicherheit gegenüber einer Belastung bietet.

  2. Was war Ihre Motivation zur Gründung von SIMBLAST?
    Ich war über 13 Jahre lang Entwicklungsingenieur im Bereich der Sonderschutzfahrzeuge bei BMW. In der Zeit habe ich an der Universität der Bundeswehr in Hamburg über die numerische Simulation von Beschuss- und Absprengvorgängen promoviert. Die gepanzerten Fahrzeuge wurden bei BMW nicht nur numerisch, sondern auch empirisch überprüft. Bei den Real-Tests waren regelmäßig Vertreter von Behörden, wie beispielsweise der Polizei vor Ort. Und so wurde ich darauf angesprochen, ob ich derartige Beschuss- und Ansprengsimulationen auch für andere Bereiche ausführen könnte, beispielsweise zur Frage, wie sich Sprengladungen zum Öffnen von Türen auf die Gebäudestabilität auswirken. Da mich die Polizeithematik immer schon interessiert hat, habe ich zunächst eine Nebentätigkeit angemeldet, um diese Arbeiten am Abend und am Wochenende auszuführen. Die Nachfrage stieg und irgendwann kam ich an einen Punkt, an dem ich beide Aufgaben nicht mehr parallel durchführen konnte. Dann habe ich entschieden, mich ganz auf SIMBLAST zu fokussieren.

  3. Wie unterscheidet sich SIMBLAST von anderen Anbietern?
    SIMBLAST ist auf die Simulation von kurzzeitdynamischen Vorgängen spezialisiert, wie sie beispielsweise bei Beschuss, Anprall oder Ansprengungen entstehen. Das ist eine sehr spezielle Nische im Bereich der ingenieursmäßigen Simulationsdienstleistungen, die fundiertes Hintergrundwissen und langjährige praktische Erfahrungen im Beschuss- und Sprengwesen erfordert. Daher gibt es kaum vergleichbare Anbieter. Darüber hinaus ist es mir wichtig, dass sich meine Kunden darauf verlassen können, dass ein Projekt innerhalb einer bestimmten Zeit und zu vorab definierten Kosten abgeschlossen ist, um ihnen maximale Planungssicherheit zu bieten.

  4. Welche Branchen zählen zu ihrem Kundenkreis?
    Mein Angebot richtet sich an zivile und behördliche Kunden aus der Sicherheitsbranche sowie Auftraggeber aus der Verteidigungsindustrie und dem militärischen Umfeld. Gerade im zivilen Bereich gewinnen Simulationen im Zufahrts- und Gebäudeschutz zunehmend an Bedeutung, da kritische Infrastrukturen immer besser gegen Angriffe abgesichert werden müssen. Eine nachträgliche Überprüfung der Wirksamkeit am bestehenden Objekt ist oftmals nicht möglich. Mithilfe der Simulationen können eventuelle Schwachstellen identifiziert und entsprechende Nachbesserungen durchgeführt werden. Zum Angebotsspektrum von SIMBLAST zählen auch die Simulation zur Maschinensicherheit an Prüfständen, die ballistische und sprengtechnische Überprüfung von zivilen und militärischen Sicherheitsfahrzeugen und nicht zuletzt auch die Entwicklung von aktiven Systemen, wie beispielsweise Gefechtsköpfen.

  5. Können Sie erklären, wie ein Projekt abläuft?
    Eine numerische Simulation beginnt mit den vom Kunden bereitgestellten Geometriedaten. Dabei handelt es sich um eine digitale Beschreibung eines Bauteils oder Systems, beispielsweise den Aufbau eines Fensters, eines Maschinenprüfstands oder einer anderen Konstruktion. Die Geometriedaten bilden die Grundlage für die weiteren Schritte.

    Im nächsten Schritt, dem sogenannten Pre-Processing, wird diese Geometrie vernetzt. Das bedeutet, dass das Modell in sehr viele kleine Elemente zerlegt wird, oft anschaulich als kleine „Würfel“ bezeichnet. Gleichzeitig werden die Materialeigenschaften festgelegt, etwa, ob es sich um Glas, Kunststoff oder Metall handelt und wie sich diese Werkstoffe unter Belastung verhalten.

    Anschließend definiert man die Randbedingungen. Dazu gehören die äußeren Einwirkungen, die überprüft werden sollen, wie Beschuss, Ansprengung oder andere mechanische Kräfte. Auch das umgebende Medium, etwa Luft, wird berücksichtigt, da sich Druckwellen darüber ausbreiten, reflektiert werden und mit dem System wechselwirken.

    Sobald Geometrie, Vernetzung, Werkstoffe und Randbedingungen feststehen, beginnt der Computer mit der Berechnung. Er analysiert dann Schritt für Schritt, was mit den einzelnen Elementen passiert. Wird einer dieser „Würfel“ stark belastet oder zerdrückt, berechnet der Computer, wie sich diese Veränderung auf die benachbarten Elemente auswirkt. Diese Schritte werden für jeden Zeitschritt über alle Elemente wiederholt bis ein definiertes Abbruchkriterium erfüllt ist. Auf diese Weise lassen sich komplexe Prozesse, wie Verformungen, Rissbildung oder das Versagen ganzer Strukturen nachvollziehen.
  6. Woher bekommen Sie die Daten, auf denen die Berechnungen basieren?
    Neben den Geometriedaten sind sogenannte Materialkarten entscheidend. Sie beschreiben, wie sich ein Werkstoff bei unterschiedlichen Belastungen verhält. Ein wichtiger Punkt ist aber, dass unter hochdynamischen Einflüssen das Materialverhalten stark abweichen kann. Ein fester Werkstoff kann sich beispielsweise unter dem Einfluss von Beschuss und Sprengstoff etwa verflüssigen. Diese Effekte realitätsnah nachzuvollziehen ist nicht trivial.

    Wenn für einen eingesetzten Werkstoff eine Materialkarte vorhanden ist, so kann diese für die Berechnungen verwendet werden. Gibt es keine Materialkarte, wird mit dem Kunden abgestimmt, ob eventuell ein Ersatzwerkstoff mit vergleichbaren Eigenschaften herangezogen werden kann. Ist der Werkstoff jedoch sehr speziell, muss unter Umständen eine neue Materialkarte entwickelt werden. Das geschieht dann in speziellen Forschungseinrichtungen und in enger Zusammenarbeit mit den Kunden.
  7. Welchen Einfluss hat Künstliche Intelligenz auf Ihre Arbeit?
    Künstliche Intelligenz wird in Zukunft vor allem im Pre-Processing eine wichtige Rolle spielen. Dieser Bereich ist heute sehr zeitaufwändig und KI-gestützte Systeme können die einzelnen Schritte zunehmend automatisieren, indem sie etwa geeignete Vernetzungen vorschlagen.

    Ein weiterer wichtiger Bereich sind Variantenrechnungen. Statt einzelne Szenarien nacheinander zu berechnen, kann KI diese Studien automatisiert vornehmen. Ein typisches Beispiel wäre die Frage: Ab welcher Geschwindigkeit oder unter welchem Winkel durchdringt ein Projektil ein bestimmtes Schutzbauteil? KI kann hier systematisch viele Varianten durchspielen und Grenzwerte deutlich schneller ermitteln als klassische Vorgehensweisen.

    Ich nutze KI schon heute als Unterstützung bei der Programmierung, um Routineaufgaben zu beschleunigen. Damit bleibt mehr Raum für die eigentliche Analyse und Bewertung der Ergebnisse.
  8. Gab es schon mal Ergebnisse, die Sie oder Ihren Kunden überrascht haben?
    Ja, ein Beispiel dafür ist der sogenannte K-Effekt. Früher gab es keine numerische Simulation, Schutzkonzepte wurden ausschließlich experimentell überprüft. Dazu gab es klassische Beschussversuche: Ein Beschussmuster wurde im Beschusskanal getestet, das Projektil traf die Platte und wurde wie erwartet gestoppt.

    Beim fertigen Sonderschutzfahrzeug ist über dem eigentlichen Schutzblech noch das designgebende Blech angebracht. Wird das Sonderschutzfahrzeug für eine amtliche Zertifizierung im Realversuch beschossen, geht das Projektil bei bestimmten Trefferlagen durch beide Bleche hindurch. Das erscheint zunächst merkwürdig, wo doch noch mehr Material vorhanden ist.

    Doch der K-Effekt erzeugt genau diese Wirkung: Viele Projektile haben fertigungsbedingt einen kleinen Hohlraum in der Spitze. Trifft ein solches Projektil zuerst auf ein dünnes Blech, so wird dieser Hohlraum schlagartig zusammengedrückt oder die Spitze des Projektils direkt abgetragen. Dadurch verändert sich die Beschaffenheit des Projektils, insbesondere seine Querschnittsfläche innerhalb kürzester Zeit. Diese Geometrieänderung im Projektil führen zu einem stanzähnlichen Wirken im Schutzmaterial und verursachen kreisrunde Lochbilder. Das Versagen des Schutzmaterials erfolgt hierbei durch das sog. adiabate Scheren, bei dem Bereiche des Schutzblechs aufgeschmolzen werden.  

    Ohne numerische Simulation ist der K-Effekt kaum vorhersehbar, mit der numerischen Simulation aber lässt sich nachvollziehen, warum mehr Material zu weniger Schutz führt und wie konstruktive Gegenmaßnahmen im Einzelfall aussehen müssen.
  9. Wie überprüfen Sie, ob Ihre Ergebnisse auch in der Praxis Bestand haben?
    Zunächst ist die Verwendung validierter Daten wichtig, um sicherzustellen, dass die numerische Simulation das reale Werkstoffverhalten korrekt widerspiegelt.  Ein weiterer Aspekt ist die numerische Genauigkeit der Simulation, die sich über die Größe der herangezogenen Elemente beeinflussen lässt. Je feiner das Netz, also je kleiner die verendeten Würfel, desto genauer werden auch die Ergebnisse. Irgendwann ist allerdings ein Punkt erreicht, an dem eine weitere Verkleinerung der Würfel die Ergebnisse nicht mehr verbessert, sondern nur die Rechenzeit erhöht. Ab da gilt das Ergebnis als numerisch stabil und zuverlässig, wenn die Eingangsgrößen entsprechend validiert sind.
  10. Wo liegen die Grenzen der numerischen Simulation?
    Eine Grenze in der numerischen Simulation liegt in der limitierten Rechenleistung, obwohl sich diese Situation ständig verbessert. Auch ab einer bestimmten Größe der Modelle kommt numerische Simulation an ihre Grenzen und es müssen Vereinfachungen getroffen werden. Die Frage, wie sich beispielsweise ein Bewehrungsstahl im Fundament des Eiffelturms verhalten würde, wenn ganz oben eine Drohne mit der Spitze des Turms kollidiert, lässt sich schwer berechnen. Solche Szenarien würden riesige Modelle erfordern, bei denen die Struktur in sehr viele kleine Elemente zerlegt werden muss, um alle lokalen Effekte abzubilden. Selbst mit maximaler Rechenpower würde eine vollständige Simulation solcher Größenordnungen zu lange dauern, um praktisch einsetzbar zu sein. Hier lassen sich aber sehr gute Ersatzmodelle finden und eine Aussage über die Kräfte im Fundament treffen.

    Vielen Dank für das Gespräch!

Lernen von erfahrenen Krisenmanagern – BVSW Seminar 22.–26. Juni 2026

In einer Welt, die von unvorhersehbaren Ereignissen und komplexen Bedrohungen geprägt ist, genügt es nicht mehr, auf Krisen nur zu reagieren. Wahre Stärke zeigt sich in der Vorbereitung, in der Fähigkeit, Stürme nicht nur zu überstehen, sondern gestärkt aus ihnen hervorzugehen.

Dieses 5-tägige Intensivseminar „Professionelles Krisenmanagement mit Organisationsentwicklungsfokus“ bietet die Möglichkeit, genau diesen entscheidenden Schritt zu gehen.


Mehr als ein Seminar: Eine Transformationsreise

Vergessen Sie trockene Theorie und endlose PowerPoint-Folien. In diesen fünf intensiven Tagen tauchen die Teilnehmenden tief in die Materie ein und erleben Krisenmanagement hautnah.

Der geschützte Rahmen ermöglicht es, unter professioneller Anleitung den Ernstfall zu proben, Fähigkeiten gezielt zu schärfen und sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Vermittelt werden nicht nur Methoden – im Fokus steht die Befähigung, eine nachhaltige Kultur der Resilienz im eigenen Unternehmen zu verankern.


Ihr konkreter Nutzen: Vom Wissen zum Handeln

Dieses Seminar ist eine Investition in die berufliche Zukunft und die Sicherheit der eigenen Organisation.

Am Ende dieser Woche werden die Teilnehmenden:


Für wen ist dieses Intensivseminar konzipiert?

Das Seminar richtet sich an die Gestalter und Verantwortlichen der unternehmerischen Sicherheit: an angehende und aktive Krisenmanager, an BCM- und Resilienzverantwortliche sowie an Führungskräfte, die ihre Organisation für die Zukunft wappnen und ihre Krisenkompetenz entscheidend ausbauen wollen.

Unser Referententeam:

Erik Liegle war in führenden Sicherheitsfunktionen bei Polizei, Europol sowie in internationalen Konzernen tätig. Er leitete u. a. den Bereich Corporate Forensics bei Volkswagen und der Deutschen Bahn AG mit Schwerpunkten auf strategische und operative Sicherheitsberatung, komplexe Ermittlungen sowie Krisenmanagement. Zuvor bekämpfte er bei Europol organisierte Kriminalität und führte u.a. Spezialeinheiten der Berliner Polizei. Heute berät er Unternehmen in den Bereichen Corporate Security, Risiko- und Krisenmanagement, Forensik, Compliance sowie Cyber- und Logistikschutz.
Peter Mnich verfügt über umfassende Erfahrung im Aufbau und Betrieb von Notfall- und Krisenmanagementstrukturen. Nach seiner militärischen Laufbahn in mehreren Verwendungen leitete er die Konzernsicherheit eines internationalen Schienenverkehrskonzerns und beriet die Bundesdruckerei beim Aufbau ihres Krisenmanagements. Als Krisenberater war er zudem weltweit in Präventions- und Akutlagen wie Entführungen, Erpressungen oder Cyberangriffen tätig. Seit 2005 begleitet er Unternehmen in verschiedenen KRITIS-Sektoren bei der Professionalisierung von Sicherheits- und Krisenprozessen und engagiert sich zudem als systemischer Organisationsentwickler, Forscher, Auditor sowie Trainer in internationalen Übungen und Projekten.
Jan Seitz ist in der Sicherheitsforschung tätig und spezialisiert auf die Entwicklung und Adaption von Modellen und Maßnahmen im Kontext KRITIS und Resilienz. Seine Schwerpunkte liegen in der Resilienz komplexer Systeme, der Strategieentwicklung sowie der Standardisierung von Abläufen. Praxiserfahrung sammelte er unter anderem in Forschungsprojekten wie AKRIMA und RESKON sowie bei Simulationen und Krisenübungen in der Lebensmittelindustrie, in Kommunen und im Logistiksektor.

Vom 11. bis 13. März 2026 fand die 14. BVSW Wintertagung am Spitzingsee statt. Über 150 Gäste aus Wirtschaft, Behörden, Wissenschaft und Politik folgten der Einladung. Damit verbuchte der etablierte Sicherheitskongress einen neuen Teilnehmerrekord und setzte gleichzeitig ein Zeichen für die Bedeutung von Austausch und Vernetzung in einem zunehmend volatilen Sicherheitsumfeld.  

Hybride Bedrohungen, die Erosion strategischer Allianzen und zunehmende geopolitische Spannungen prägen aktuell die Sicherheitslage in Deutschland. Welche Folgen das für Unternehmen und die Gesellschaft hat, beleuchtet die BVSW Wintertagung jedes Jahr: Sie bringt unterschiedliche Perspektiven aus Staat, Wirtschaft und Forschung zusammen, um Impulse für mögliche Lösungsansätze zu geben.

„Wir freuen uns, dass sich wieder so viele herausragende Sicherheitsexpertinnen und -experten für eine Teilnahme entschieden haben“, sagt BVSW-Geschäftsführerin Caroline Eder. „Das ist für uns eine Bestätigung, wie wichtig dieses Format in Zeiten wachsender Verunsicherungen ist.“

In den insgesamt zwölf Vorträgen zeichnete sich ein gemeinsames Bild ab: Deutschland befindet sich zunehmend im Spannungsfeld der Rivalität zwischen den USA, China und Russland. Hybride Angriffe richten sich nicht nur gegen Unternehmen und Infrastrukturen, sondern zunehmend auch gegen demokratische Prozesse. Sicherheit muss heute daher ganzheitlich gedacht werden, als Zusammenspiel von technologischer Souveränität, wirtschaftlicher Resilienz und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Neue Herausforderungen durch Sicherheitslage im Wandel


Zum Auftakt der Tagung gab der bayerische Landespolizeipräsident Michael Schwald einen Überblick über die innere Sicherheit: Cyberkriminalität zählt nach wie vor zu den größten Bedrohungen. Doch auch die geopolitischen Konflikte weltweit haben Auswirkungen auf die Sicherheit im Freistaat. Obwohl die Sicherheitslage objektiv stabil sei, nehme die subjektive Verunsicherung zu. Dies sei teilweise auch auf gezielt gesteuerte Kampagnen in den sozialen Medien zurückzuführen.

Manfred Hauser, Präsident des Bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz, bestätigte diese Entwicklungen. Deutschland stehe zunehmend im Visier fremder Mächte. Insbesondere für die Wissenschaft sieht er wachsende Risiken, denn die technologische Spitzenforschung sei ein Ziel staatlich gesteuerter Spionage. Gleichzeitig betonte er die Stärke demokratischer Gesellschaften: Entscheidend sei, sich dieser Stärke bewusst zu bleiben und das Vertrauen in die demokratischen Strukturen zu bewahren.

Geopolitische Machverschiebungen und die Folgen für Europa

Der zweite Kongresstag startete mit einem Überblick über die geopolitische Weltlage von Prof. Dr. Günther Schmid. Die Welt befinde sich in einem Systemkonflikt zwischen demokratischen und autoritären Modellen, so der Politikwissenschaftler, während traditionelle Machtstrukturen erodierten. Russland strebe danach, den Verlust seines Imperiums zu kompensieren und wieder als Großmacht anerkannt zu werden. China verfolge langfristige Strategien, um die Regeln der internationalen Weltordnung neu zu definieren, etwa durch massive Investitionen in Infrastrukturen und globale Lieferketten. In den USA setze Donald Trump verstärkt auf wirtschaftlichen Druck, um seine geopolitischen Ziele zu erreichen. Europa müsse seine sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit ausbauen, wenn es seine Rolle auf der globalen Bühne behaupten wolle, so Dr. Schmid.

Verwundbare Infrastrukturen, technologische Abhängigkeiten

Wie sehr moderne Gesellschaften von funktionierenden Infrastrukturen abhängen, zeigte Carsten Baeck anschließend anhand des großflächigen Stromausfalls in Berlin Anfang 2026. Der Vorfall verdeutliche, welche weitreichenden Folgen ein einzelner Angriff auf kritische Systeme haben könne. Auch Unternehmen sollten daher mögliche „Single Points of Failure“ identifizieren und für Redundanzen sorgen. Ebenso entscheidend sei eine klare Krisenkommunikation. Darüber hinaus plädierte Baeck für eine stärkere gesellschaftliche Solidarität in Krisensituationen, etwa auch durch nachbarschaftliche Unterstützung.

Anschließend richtete Prof. Dr. Timo Kob den Blick auf die technologischen Abhängigkeiten Deutschlands. Die digitale Souveränität scheitere bislang an fehlenden Strategien und Ambitionen. Auch der Föderalismus wäre hinderlich auf dem Weg zur Cybernation, ebenso wie der Fachkräftemangel. Kob sprach sich für eine intensivere Förderung der MINT-Fächer in der Schule aus, ebenso wie für die gezielte Einbindung von Frauen in technische Berufe.

Hybride Bedrohungen: Herausforderung für Wirtschaft und Staat

Die zunehmende Bedeutung hybrider Konfliktformen stand im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. Konstantinos Tsetsos. Militärische Konflikte würden heute immer öfter durch andere Mittel ergänzt, wie beispielsweise Cyberattacken, Desinformation oder wirtschaftlicher Druck. Resilienz werde für Unternehmen zum Wettbewerbsfaktor und müsse ganzheitlich gedacht werden. Neben technischen Schutzmaßnahmen sei auch organisatorische und kulturelle Widerstandsfähigkeit erforderlich.

An diese Analyse knüpfte Oliver Rolofs an und beleuchtete die strukturellen Herausforderungen Europas im Umgang mit hybriden Bedrohungen. Auch er sah die technologischen Abhängigkeiten kritisch: Statt digitaler Souveränität drohe eine Art „Datenfeudalismus“, bei dem zentrale digitale Infrastrukturen von wenigen Akteuren kontrolliert würden.

Risiken in globalen Lieferketten

Anschließend sprach Thorsten Neumann, Präsident und CEO von TAPA EMEA, über Frachtkriminalität, die der deutschen Wirtschaft hohe Schäden zufügt. Die Täter nutzen die unterschiedlichsten Methoden, um Fracht zu stehlen, von stuntreifen Überfällen auf Lastwagen bei voller Fahrt, über gefälschte Lieferadressen bis hin zu fingierten Polizeikontrollen. Mitarbeiter müssen daher für dieses Thema sensibilisiert werden. Unternehmen sollten Sicherheitsmaßnahmen zudem nicht nur als Kostenfaktor, sondern auch als Investition in ihre Wettbewerbsfähigkeit betrachten.

Sicherheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe


Zum Start in den dritten Kongresstag stellte Christina Moritz den im August 2025 gegründeten Nationalen Sicherheitsrat vor. Das Gremium soll eine koordinierte Entscheidungsfindung in Sicherheitsfragen ermöglichen und gleichzeitig die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ressorts verbessern. Die Politikwissenschaftlerin sprach sich dafür aus, die Wirtschaft stärker einzubinden, da viele sicherheitspolitische Herausforderungen nur im engen Austausch zwischen Staat und Unternehmen bewältigt werden können.

Im Anschluss zeigte Prof. Dr. Nils Goldschmidt, Professor an der Universität Tübingen und Mitglied des Deutschen Ethikrats, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt die Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg ist. Dies konnte in einer Studie mit Daten aus 171 Ländern empirisch nachgewiesen werden. Soziale Irenik, so Dr. Goldschmidt, sei ein harter ökonomischer Faktor. In der Studie belegt Deutschland Platz 10 beim gesellschaftlichen Zusammenhalt und Platz 18 bei der Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung. Ein Ergebnis, das sich durchaus sehen lassen kann.

Dieser wirtschaftliche Erfolg rückt Deutschland ins Visier anderer Staaten. Dr. May-Britt U. Stumbaum, Direktorin des Spear Instituts, erklärte, wie rivalisierende Großmächte versuchen, sich Technologien für ihren wirtschaftlichen Erfolg zu sichern, um damit eine neue Weltordnung nach ihren jeweiligen Vorstellungen zu etablieren. Deutschland sei zwar in vielen Bereichen abhängig, verfüge jedoch auch über erhebliche Stärken, die es zu nutzen gelte.

Europa zwischen Krisen und neuer Verantwortung

Den traditionellen Schlusspunt der Tagung setzte Dr. Benedikt Franke mit einem Rückblick auf die Münchner Sicherheitskonferenz. Seine Analyse zeichnete das Bild einer internationalen Ordnung im Umbruch. Der Zustand der transatlantischen Beziehungen werde nicht mehr zu dem zurückkehren, wie er vor Trumps zweiter Amtszeit war. Trotz vieler Kritikpunkte verfüge Europa aber über erhebliches Potenzial. Entscheidend sei jedoch der politische Wille, dieses auch zu nutzen.

BVSW Wintertagung steht für Dialog und Vernetzung

Neben den spannenden Vorträgen bot die BVSW Wintertagung wieder reichlich Gelegenheit, zu diskutieren und sein Netzwerk zu erweitern. Für das kommende Jahr steht auch schon der Termin für das Gipfeltreffen der Sicherheitswirtschaft fest: Die 15. BVSW Wintertagung findet vom 10. Bis 12. März 2027 statt – Anmeldungen sind ab sofort möglich.

Wir bedanken uns bei unseren Sponsoren BMW, Genussschmelzerei Essendorfer und Enzianbrennerei Grassl sowie unseren Fachmedienpartnern GIT Sicherheit und Security Insight.

Am 21. und 22. April 2026 lädt der Bayerische Verband für Sicherheit in der Wirtschaft zur BVSW SecTec ein. Der etablierte Fachkongress für Sicherheitstechnik findet bereits das dritte Jahr in Folge statt. Er präsentiert Innovationen und deren Einsatzmöglichkeiten im Spannungsfeld zwischen neuen Bedrohungen, operativen Herausforderungen und rechtlichen Vorgaben.

„Die digitalen Technologien entwickeln sich rasant und haben das Potenzial, Sicherheitssysteme zu verbessern. Gleichzeitig ist eine technologische und rechtliche Einordnung Voraussetzung für nachhaltige und rechtssichere Investitionsentscheidungen“, sagt Caroline Eder, Geschäftsführerin des BVSW. „Mit der BVSW SecTec bieten wir in diesem dynamischen Umfeld Orientierung und geben ein kompaktes und praxisorientiertes Update zu aktuellen Trends und marktrelevanten Entwicklungen.“

Sicherheitstechnik im Wandel

Ausgewählte Expertinnen und Experten präsentieren in Fachvorträgen neue Technologien und erklären deren Relevanz für Unternehmen, KRITIS-Betreiber und Behörden. Thematisch spannt die BVSW SecTec 2026 einen weiten Bogen:

Der Fachkongress beleuchtet den Einsatz von Drohnen bei KRITIS sowie die technischen Möglichkeiten und rechtlichen Grenzen zur Abwehr unbemannter Luftfahrtsysteme.

Außerdem erfahren die Teilnehmenden, wie digitale Simulationen in unterschiedlichen Einsatzszenarien einen Beitrag zur Prävention von Gefahrenlagen leisten können. So lassen sich beispielsweise die Auswirkungen von Beschuss- oder Absprengszenarien am Computer nachstellen. Im öffentlichen Raum oder bei der Gebäudeplanung helfen Simulationen von Personenströmen, sicherheitskritische Engpässe zu ermitteln.

Künstliche Intelligenz entfaltet ihr Potenzial nicht nur in der Gefahrenprävention, sondern zunehmend auch im Personalwesen. Ein gemeinsamer Anwenderbericht eines Sicherheitsdienstleisters und eines KI-Anbieters wird zeigen, wie Künstliche Intelligenz schon heute beim High-Volume-Recruiting unterstützen kann. Für Sicherheitsdienstleister können solche Lösungen insbesondere bei der Vorbereitung von Großveranstaltungen oder bei temporären Auftragsspitzen zum Gamechanger werden.

Mit neuen Technologien lässt sich auch das Besuchermanagement im Unternehmen völlig neu denken. Die Teilnehmenden erhalten Einblick in die Funktionsweise der digitalen Pforte. Sie ermöglicht intelligente Zutrittsprozesse und sorgt für mehr Sicherheit und Transparenz.

Bei all den technischen Innovationen darf das Thema digitale Souveränität nicht fehlen: Prof. Dr. Gabi Dreo Rodosek von der Universität der Bundeswehr in München wird über die Schutzmöglichkeiten vor hybriden Angriffen im KI-Zeitalter referieren.

Ausstellung und Networking

Neben dem hochwertigen Vortragsprogramm bietet die BVSW SecTec eine begleitende Fachausstellung. Hier haben die Teilnehmenden die Gelegenheit, Produkte und Lösungen kennenzulernen und mit den Austellern und Entwicklern ins Gespräch zu kommen. Die limitierte Anzahl an Ausstellungsmöglichkeiten, die zwischen Catering- und Vortragsbereich platziert sind, fördert den interaktiven Charakter des Fachkongresses.

Darüber hinaus bietet die Veranstaltung im bewährten Lunch-to-Lunch-Format die Gelegenheit, sich zwischen den Vorträgen auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und Kooperationen anzubahnen. Neben mehreren Networking-Pausen findet am ersten Tag ein Sektempfang mit anschließenden gemeinsamen Abendessen statt. Der zweite Kongresstag endet mit einem Mittagessen.

Veranstaltungsort:
NH München Ost Conference Center, Einsteinring 20, 85609 Aschheim bei München

Innovation erleben. Sicherheit gestalten. Zukunft sichern.

Der Bayerische Verband für Sicherheit in der Wirtschaft e. V. lädt Sie herzlich zur BVSW SecTec 2026 ein – dem führenden Kongress für Sicherheitstechnik in Deutschland. Bereits zum dritten Mal treffen sich hier Entscheider, Experten und Technologieanbieter, um aktuelle Trends, innovative Lösungen und praxisnahe Konzepte hautnah zu erleben.

Die Veranstaltung findet in einer attraktiven Location im bewährten Lunch-to-Lunch-Format statt und bietet den idealen Rahmen für intensiven fachlichen Austausch und nachhaltiges Networking.


Warum Sie als Besucher teilnehmen sollten

Die BVSW SecTec 2026 ist mehr als ein Kongress – sie ist eine Plattform für Wissen, Austausch und Innovation. Sie erfahren aus erster Hand, wie moderne Sicherheitslösungen in Unternehmen und Kritischen Infrastrukturen umgesetzt werden.

Ihr Mehrwert auf einen Blick:

➡️ Jetzt als Besucher anmelden


Thematische Schwerpunkte der BVSW SecTec 2026

Die Agenda deckt die aktuellsten Herausforderungen und Zukunftstechnologien ab:


Intensives Networking und praxisnaher Austausch

Das Lunch-to-Lunch-Format sorgt dafür, dass ausreichend Zeit für persönliche Gespräche, Diskussionen und Kooperationen bleibt. Treffen Sie Brancheninnovatoren, Sicherheitsverantwortliche und Entscheider und tauschen Sie sich über aktuelle Herausforderungen und zukünftige Trends aus.


Für Aussteller – Ihre Chance, sich zu präsentieren

Präsentieren Sie Ihre Lösungen einem hochkarätigen Fachpublikum und positionieren Sie Ihr Unternehmen als Innovationsführer der Sicherheitsbranche. Unsere maßgeschneiderten Ausstellerpakete bieten:

➡️ Infos zu Ausstellerpaketen und Teilnahmebedingungen


Seien Sie dabei, wenn die Sicherheitsbranche in München die Zukunft gestaltet!
Erleben Sie Innovationen, knüpfen Sie wertvolle Kontakte und gestalten Sie aktiv die Sicherheit von morgen.

Syrien befindet sich im Spannungsfeld zwischen Zerstörung und Aufbruch: Nach über 50 Jahren Diktatur und 13 Jahren Bürgerkrieg wünschen sich die Menschen vor Ort einen Neuanfang. Angesichts der Herausforderungen beim Wiederaufbau der Infrastruktur sind Partnerschaften mit ausländischen Akteuren durchaus erwünscht. Wer jedoch nach Syrien reisen möchte, sollte sich intensiv mit dem Thema Sicherheit auseinandersetzen. Andreas Radelbauer, Leiter der Auslands- und Reisesicherheit bei Corporate Trust, ist Redner auf der BVSW-Veranstaltung Auslandssicherheit im Juni 2026 am Munich Airport und wird dort über die Sicherheitslage für Reisende in Syrien referieren. Wir haben vorab mit ihm gesprochen.

BVSW: Wie bewerten Sie die Sicherheitslage aktuell in Syrien im Spannungsfeld zwischen Übergangsregierung, SDF, IS und anderen Gruppierungen?

Insgesamt ist es in einigen größeren Städten und vor allem in Damaskus relativ ruhig geworden. Die Sicherheitslage ist trotzdem weiter fragil, auch wenn schon zwischen Übergangsregierung (Präsident Ahmed al-Scharaa) und SDF (Syrien Democratic Forces – General Mazloum Abdi) Friedensabkommen geschlossen worden sind. Die Regierung Al-Sharah pocht auf staatliche Souveränität und Eingliederung der SDF in nationale Strukturen, im speziellen in der Nordost-Region, wo die SDF präsent ist. Allerdings sind wiederholt getroffene Vereinbarungen zwischen den Parteien aufgekündigt worden und militärisch eskaliert. Bezüglich IS kann man feststellen, dass sowohl die Übergangsregierung als auch SDF den IS bekämpfen, allerdings nicht als geschlossene Allianz, sondern jeweils mit eigenen Strukturen und Interessen. Abgesehen von SDF und IS gibt es auch noch kleinere islamistische Gruppen und lokale Stammesmilizen in der alawitischen Küstenregion und im Osten Syriens.

BVSW: Mit welchen Methoden ermitteln und bewerten Sie die Risiken in Syrien?

Grundsätzlich ist es nicht möglich, ganz Syrien mit einer Aussage zu bewerten. Jede Stadt, Region, Bezirk, Straße, usw. hat unterschiedliche Risiken, die man betrachten und bewerten muss. Wir verfügen über spezielle Länderinformationssysteme, die in Echtzeit Informationen liefern. Aber vor allem beurteilen wir die Risiken sehr individuell mit persönlichen Eindrücken vor Ort in Verbindung mit einem lokalen Netzwerk in ganz Syrien. Diese Risikobewertung wird immer in Verbindung mit dem jeweiligen Kunden abgestimmt.

BVSW: Welche Rolle spielen lokale Partner, Behörden oder Sicherheitsnetzwerke bei der Analyse und wie gewährleisten Sie deren Zuverlässigkeit?

Eine sehr große! Es ist absolut erforderlich, Kontakte zu Regierungskreisen, Behörden, Wirtschaftsverbänden, Sicherheitsprovidern etc. zu haben, zu pflegen und diese sowohl zu hinterfragen als auch deren Handlungsfähigkeit zu überprüfen. Die Zuverlässigkeit der Kontakte hat hier oberste Priorität, wobei man nicht von den Standards in Europa ausgehen darf und immer bereit sein muss, Kompromisse zu finden.

BVSW: Was sind derzeit die größten sicherheitstechnischen Herausforderungen für Reisende in Syrien?

Die größten sicherheitstechnische Herausforderungen für Reisende in Syrien sind derzeit eine insgesamt hochvolatile Konfliktlage, fehlende staatliche Schutzstrukturen und ein hohes Risiko für Gewalt- und Willkürereignisse im ganzen Land.

BVSW: Wie bereiten Sie Ihre Klienten auf Reisen nach Syrien vor?

Durch eine klare Bestandsaufnahme, welche Tätigkeiten der Klient vor Ort umsetzen möchte. Im Anschluss daran wird ein individuelles Konzept entwickelt, welches unter anderem Länderrisiken, Risk Assessments, Reisesicherheits-trainings, Fahrerservice mit Personenschutz, Evakuierungsplanung (mit Safe Houses), Krisenhotline mit Alarmablaufplanung, medizinischen Rückführung und weitere risikominimierende Maßnahmen beinhaltet.

BVSW: Zu welchen Maßnahmen sind Unternehmen rechtlich verpflichtet, wenn sie ihre Mitarbeitenden nach Syrien entsenden?

Es geht hier vor allem um die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, welche nicht in einem einzigen „Fürsorgepflicht‑Gesetz“ steht, sondern sich auf mehrere zentrale Normen, vor allem im BGB und im Arbeitsschutzrecht verteilt. Bei einer Entsendung ins Ausland erhöht sich der Umfang der Fürsorgepflichten, weil zusätzliche Risiken wie Sicherheit, politische Lage, medizinische Versorgung etc. hinzukommen. Speziell vor der Entsendung ist es eine Risikoanalyse zum Einsatzland erforderlich. Eine Orientierung gibt hier die ISO 31030 Travel-Risk-Management Richtlinie. Verletzt der Arbeitgeber seine Fürsorgepflicht fahrlässig oder vorsätzlich, drohen Schadensersatz‑ und ggf. Schmerzensgeldansprüche der Arbeitnehmer.

BVSW: Welche Technologien setzen Sie ein, um Reisende abzusichern und welche Limits gibt es hier?

Es werden vor allem digitale Technologien, wie z.B. spezielle Smartphone-Apps, Standort-Tracking, Notfall- und SOS-Lösungen, Kommunikations- und Massenalarmierungssysteme verwendet. Der Einsatz solcher Technologie stößt dabei immer wieder auf klare rechtliche, organisatorische und technische Grenzen – sowohl im Heimat- als auch im Zielland. Speziell in den DACH-Staaten spielt hier der Datenschutz eine große Rolle.

BVSW: Wie bewerten Sie die zukünftige Entwicklung der Reisesicherheit in Syrien?

Zunächst einmal die behördliche Einschätzung: das Auswärtige Amt hält eine landesweite Reisewarnung aufrecht und warnt ausdrücklich vor Reisen nach Syrien; die Sicherheitslage wird als „äußerst volatil“ beschrieben. Botschaften bleiben immer noch geschlossen, allerdings finden schon Vorbereitungs- und Aufbauprozesse statt, die laut Insidern zeitnah abgeschlossen und Botschaften noch 2026 wieder eröffnet, bzw. dauerhaft besetzt werden sollen.

Aus meinen persönlichen Erfahrungswerten in Syrien denke ich, dass die zukünftige Entwicklung des Landes nicht nur Risiken birgt, sondern auch wirtschaftliche Chancen für DACH-Unternehmen mit sich bringt. Aus meiner Sicht eine gute Zeit, sich als „Early Bird“ durch verhältnismäßige Vorbereitungshandlungen als Unternehmen zu etablieren. Corporate Trust ist seit August 2025 in Syrien präsent und im Stande, sämtliche Sicherheitsdienstleistungen abzudecken.

Andreas Radelbauer, Leiter Auslands- und Reisesicherheit, Head of Travel Risk & Security bei Corporate Trust

Der Bundestag hat das Gesetz verabschiedet: Unternehmen müssen ihre operative Widerstandsfähigkeit stärken.


Mit dem Beschluss des KRITIS-Dachgesetzes durch den Deutschen Bundestag am 29. Januar 2026 setzt Deutschland ein deutliches Signal: Der Schutz kritischer Infrastrukturen wird umfassender, verbindlicher und strategischer. Neben der bereits etablierten Cybersicherheit rücken weitere zentrale Disziplinen der operativen Resilienz in den Fokus – allen voran physische Sicherheit, Business Continuity Management und professionelles Krisenmanagement.

Von der IT-Sicherheit zur ganzheitlichen Resilienz

Das KRITIS-Dachgesetz überführt die europäische CER-Richtlinie zur Resilienz kritischer Einrichtungen in nationales Recht und gilt sektorübergreifend für öffentliche wie private Betreiber kritischer Infrastrukturen. Ziel ist es, einheitliche Mindeststandards zu schaffen, um zentrale Versorgungsleistungen auch in Ausnahmesituationen zuverlässig aufrechtzuerhalten. Unterstützt wird dies durch abgestimmte Aufsichts- und Unterstützungsmaßnahmen der zuständigen Behörden.

All-Gefahren-Ansatz und doppelte Regulierung

Kern des Gesetzes ist der All-Gefahren-Ansatz. Betreiber sind verpflichtet, regelmäßig Risiko- und Bedrohungsanalysen durchzuführen, angemessene physische Schutzmaßnahmen zu implementieren sowie umfangreiche Melde- und Nachweispflichten zu erfüllen. Da das KRITIS-Dachgesetz die Anforderungen der NIS-2-Richtlinie ergänzt, müssen viele Organisationen künftig zwei eng miteinander verzahnte Regelwerke parallel berücksichtigen. Verstöße können mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden – Untätigkeit ist damit keine Option mehr.

Relevanz auch jenseits der KRITIS-Pflicht

Operative Resilienz ist längst nicht nur ein Thema für unmittelbar betroffene KRITIS-Betreiber. Auch Unternehmen außerhalb des gesetzlichen Geltungsbereichs profitieren von einer systematischen Stärkung ihrer Widerstandsfähigkeit. Wer Risiken frühzeitig identifiziert, Krisen strukturiert bewältigen kann und seine Geschäftsprozesse absichert, erhöht nicht nur die eigene Stabilität, sondern verschafft sich im Ernstfall auch einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber weniger vorbereiteten Marktteilnehmern.

Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden und Unternehmen

Resilienz ist zugleich Ausdruck unternehmerischer Verantwortung. Der Schutz von Mitarbeitenden, sichere Arbeitsbedingungen und die Aufrechterhaltung zentraler Abläufe sind entscheidende Faktoren für Vertrauen, Motivation und langfristige Bindung. Unternehmen, die präventiv handeln, senden ein klares Signal: Sicherheit, Stabilität und Verlässlichkeit sind integrale Bestandteile ihrer Unternehmensführung.

Unterstützung aus der Praxis

Vor diesem Hintergrund bietet der BVSW ein umfassendes und praxisnahes Programm an, das Organisationen bei der Einordnung und Umsetzung der neuen Anforderungen unterstützt. In kompakten Formaten erhalten Top-Entscheider eine fundierte Orientierung zu regulatorischen Rahmenbedingungen, aktuellen Bedrohungslagen und strategischen Handlungsoptionen. Ergänzend dazu werden Sicherheitsabteilungen und verantwortliche Fachbereiche in vertiefenden Formaten gezielt auf die praktische Umsetzung, komplexe Risikoszenarien sowie auf Krisen- und Ereignisfälle vorbereitet.

Fazit: Pflicht wird zur strategischen Chance

Das vom Bundestag beschlossene KRITIS-Dachgesetz markiert einen Paradigmenwechsel: Operative Resilienz ist nicht länger ein Randthema oder reine Compliance-Frage, sondern entwickelt sich zum strategischen Erfolgsfaktor. Für Betreiber kritischer Infrastrukturen ebenso wie für Unternehmen, die ihre Zukunftsfähigkeit aktiv gestalten wollen.