Vom 11. bis 13. März 2026 fand die 14. BVSW Wintertagung am Spitzingsee statt. Über 150 Gäste aus Wirtschaft, Behörden, Wissenschaft und Politik folgten der Einladung. Damit verbuchte der etablierte Sicherheitskongress einen neuen Teilnehmerrekord und setzte gleichzeitig ein Zeichen für die Bedeutung von Austausch und Vernetzung in einem zunehmend volatilen Sicherheitsumfeld.  

Hybride Bedrohungen, die Erosion strategischer Allianzen und zunehmende geopolitische Spannungen prägen aktuell die Sicherheitslage in Deutschland. Welche Folgen das für Unternehmen und die Gesellschaft hat, beleuchtet die BVSW Wintertagung jedes Jahr: Sie bringt unterschiedliche Perspektiven aus Staat, Wirtschaft und Forschung zusammen, um Impulse für mögliche Lösungsansätze zu geben.

„Wir freuen uns, dass sich wieder so viele herausragende Sicherheitsexpertinnen und -experten für eine Teilnahme entschieden haben“, sagt BVSW-Geschäftsführerin Caroline Eder. „Das ist für uns eine Bestätigung, wie wichtig dieses Format in Zeiten wachsender Verunsicherungen ist.“

In den insgesamt zwölf Vorträgen zeichnete sich ein gemeinsames Bild ab: Deutschland befindet sich zunehmend im Spannungsfeld der Rivalität zwischen den USA, China und Russland. Hybride Angriffe richten sich nicht nur gegen Unternehmen und Infrastrukturen, sondern zunehmend auch gegen demokratische Prozesse. Sicherheit muss heute daher ganzheitlich gedacht werden, als Zusammenspiel von technologischer Souveränität, wirtschaftlicher Resilienz und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Neue Herausforderungen durch Sicherheitslage im Wandel


Zum Auftakt der Tagung gab der bayerische Landespolizeipräsident Michael Schwald einen Überblick über die innere Sicherheit: Cyberkriminalität zählt nach wie vor zu den größten Bedrohungen. Doch auch die geopolitischen Konflikte weltweit haben Auswirkungen auf die Sicherheit im Freistaat. Obwohl die Sicherheitslage objektiv stabil sei, nehme die subjektive Verunsicherung zu. Dies sei teilweise auch auf gezielt gesteuerte Kampagnen in den sozialen Medien zurückzuführen.

Manfred Hauser, Präsident des Bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz, bestätigte diese Entwicklungen. Deutschland stehe zunehmend im Visier fremder Mächte. Insbesondere für die Wissenschaft sieht er wachsende Risiken, denn die technologische Spitzenforschung sei ein Ziel staatlich gesteuerter Spionage. Gleichzeitig betonte er die Stärke demokratischer Gesellschaften: Entscheidend sei, sich dieser Stärke bewusst zu bleiben und das Vertrauen in die demokratischen Strukturen zu bewahren.

Geopolitische Machverschiebungen und die Folgen für Europa

Der zweite Kongresstag startete mit einem Überblick über die geopolitische Weltlage von Prof. Dr. Günther Schmid. Die Welt befinde sich in einem Systemkonflikt zwischen demokratischen und autoritären Modellen, so der Politikwissenschaftler, während traditionelle Machtstrukturen erodierten. Russland strebe danach, den Verlust seines Imperiums zu kompensieren und wieder als Großmacht anerkannt zu werden. China verfolge langfristige Strategien, um die Regeln der internationalen Weltordnung neu zu definieren, etwa durch massive Investitionen in Infrastrukturen und globale Lieferketten. In den USA setze Donald Trump verstärkt auf wirtschaftlichen Druck, um seine geopolitischen Ziele zu erreichen. Europa müsse seine sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit ausbauen, wenn es seine Rolle auf der globalen Bühne behaupten wolle, so Dr. Schmid.

Verwundbare Infrastrukturen, technologische Abhängigkeiten

Wie sehr moderne Gesellschaften von funktionierenden Infrastrukturen abhängen, zeigte Carsten Baeck anschließend anhand des großflächigen Stromausfalls in Berlin Anfang 2026. Der Vorfall verdeutliche, welche weitreichenden Folgen ein einzelner Angriff auf kritische Systeme haben könne. Auch Unternehmen sollten daher mögliche „Single Points of Failure“ identifizieren und für Redundanzen sorgen. Ebenso entscheidend sei eine klare Krisenkommunikation. Darüber hinaus plädierte Baeck für eine stärkere gesellschaftliche Solidarität in Krisensituationen, etwa auch durch nachbarschaftliche Unterstützung.

Anschließend richtete Prof. Dr. Timo Kob den Blick auf die technologischen Abhängigkeiten Deutschlands. Die digitale Souveränität scheitere bislang an fehlenden Strategien und Ambitionen. Auch der Föderalismus wäre hinderlich auf dem Weg zur Cybernation, ebenso wie der Fachkräftemangel. Kob sprach sich für eine intensivere Förderung der MINT-Fächer in der Schule aus, ebenso wie für die gezielte Einbindung von Frauen in technische Berufe.

Hybride Bedrohungen: Herausforderung für Wirtschaft und Staat

Die zunehmende Bedeutung hybrider Konfliktformen stand im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. Konstantinos Tsetsos. Militärische Konflikte würden heute immer öfter durch andere Mittel ergänzt, wie beispielsweise Cyberattacken, Desinformation oder wirtschaftlicher Druck. Resilienz werde für Unternehmen zum Wettbewerbsfaktor und müsse ganzheitlich gedacht werden. Neben technischen Schutzmaßnahmen sei auch organisatorische und kulturelle Widerstandsfähigkeit erforderlich.

An diese Analyse knüpfte Oliver Rolofs an und beleuchtete die strukturellen Herausforderungen Europas im Umgang mit hybriden Bedrohungen. Auch er sah die technologischen Abhängigkeiten kritisch: Statt digitaler Souveränität drohe eine Art „Datenfeudalismus“, bei dem zentrale digitale Infrastrukturen von wenigen Akteuren kontrolliert würden.

Risiken in globalen Lieferketten

Anschließend sprach Thorsten Neumann, Präsident und CEO von TAPA EMEA, über Frachtkriminalität, die der deutschen Wirtschaft hohe Schäden zufügt. Die Täter nutzen die unterschiedlichsten Methoden, um Fracht zu stehlen, von stuntreifen Überfällen auf Lastwagen bei voller Fahrt, über gefälschte Lieferadressen bis hin zu fingierten Polizeikontrollen. Mitarbeiter müssen daher für dieses Thema sensibilisiert werden. Unternehmen sollten Sicherheitsmaßnahmen zudem nicht nur als Kostenfaktor, sondern auch als Investition in ihre Wettbewerbsfähigkeit betrachten.

Sicherheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe


Zum Start in den dritten Kongresstag stellte Christina Moritz den im August 2025 gegründeten Nationalen Sicherheitsrat vor. Das Gremium soll eine koordinierte Entscheidungsfindung in Sicherheitsfragen ermöglichen und gleichzeitig die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ressorts verbessern. Die Politikwissenschaftlerin sprach sich dafür aus, die Wirtschaft stärker einzubinden, da viele sicherheitspolitische Herausforderungen nur im engen Austausch zwischen Staat und Unternehmen bewältigt werden können.

Im Anschluss zeigte Prof. Dr. Nils Goldschmidt, Professor an der Universität Tübingen und Mitglied des Deutschen Ethikrats, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt die Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg ist. Dies konnte in einer Studie mit Daten aus 171 Ländern empirisch nachgewiesen werden. Soziale Irenik, so Dr. Goldschmidt, sei ein harter ökonomischer Faktor. In der Studie belegt Deutschland Platz 10 beim gesellschaftlichen Zusammenhalt und Platz 18 bei der Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung. Ein Ergebnis, das sich durchaus sehen lassen kann.

Dieser wirtschaftliche Erfolg rückt Deutschland ins Visier anderer Staaten. Dr. May-Britt U. Stumbaum, Direktorin des Spear Instituts, erklärte, wie rivalisierende Großmächte versuchen, sich Technologien für ihren wirtschaftlichen Erfolg zu sichern, um damit eine neue Weltordnung nach ihren jeweiligen Vorstellungen zu etablieren. Deutschland sei zwar in vielen Bereichen abhängig, verfüge jedoch auch über erhebliche Stärken, die es zu nutzen gelte.

Europa zwischen Krisen und neuer Verantwortung

Den traditionellen Schlusspunt der Tagung setzte Dr. Benedikt Franke mit einem Rückblick auf die Münchner Sicherheitskonferenz. Seine Analyse zeichnete das Bild einer internationalen Ordnung im Umbruch. Der Zustand der transatlantischen Beziehungen werde nicht mehr zu dem zurückkehren, wie er vor Trumps zweiter Amtszeit war. Trotz vieler Kritikpunkte verfüge Europa aber über erhebliches Potenzial. Entscheidend sei jedoch der politische Wille, dieses auch zu nutzen.

BVSW Wintertagung steht für Dialog und Vernetzung

Neben den spannenden Vorträgen bot die BVSW Wintertagung wieder reichlich Gelegenheit, zu diskutieren und sein Netzwerk zu erweitern. Für das kommende Jahr steht auch schon der Termin für das Gipfeltreffen der Sicherheitswirtschaft fest: Die 15. BVSW Wintertagung findet vom 10. Bis 12. März 2027 statt – Anmeldungen sind ab sofort möglich.

Wir bedanken uns bei unseren Sponsoren BMW, Genussschmelzerei Essendorfer und Enzianbrennerei Grassl sowie unseren Fachmedienpartnern GIT Sicherheit und Security Insight.