ForceHub entwickelt eine KI-gestützte Plattform, die Sicherheitsdienste und Anbieter von Facility Management bei Verwaltungsaufgaben entlastet. Sie bietet unter anderem eine Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit, intelligente Berichterstattung, automatische Dokumentationen, digitale Mitarbeiterakten und Onboarding-Funktionen. Seit Juni ist das Unternehmen Mitglied im BVSW. Wir sprachen mit Gründer und Geschäftsführer Henry Burkert.

BVSW: Herr Burkert, welches Ziel verfolgen Sie mit ForceHub?

Henry Burkert:
Wir wollen das KI-gestützte Betriebssystem für die Sicherheitsbranche werden. Das bedeutet, wir bieten eine zentrale, intelligente Plattform, die die unterschiedlichsten operativen Bereiche eines Sicherheitsunternehmens nahtlos abdeckt. Gestartet sind wir da, wo operativ der Schuh bei vielen Unternehmen drückt: bei zeitfressenden, manuellen Prozessen in der Verwaltung. Wir nehmen Unternehmen nicht nur ein bisschen Papierkram ab, sondern wir sorgen für mehr Kapazitäten in der Verwaltung. Damit schaffen wir den nötigen Freiraum für Wachstum durch weniger manuelle Büroarbeit. 

BVSW: Wie kamen Sie auf die Idee, ForceHub zu gründen?

Henry Burkert:
Tatsächlich war das eher ein Zufall. Ich hatte bereits im Personalbereich ein Software-Startup gegründet. Mit einem unserer Kunden, einem Sicherheitsdienstleister aus Augsburg, sind wir ins Gespräch gekommen und haben erkannt, dass Digitalisierung und dabei die Verwendung von KI gerade im Sicherheitsbereich noch sehr viel Potenzial bietet. 

BVSW: Was meinen Sie damit konkret?

Henry Burkert: Das lässt sich am besten an einem unserer Kernmodule verdeutlichen: Ein zentraler Hebel liegt im gesamten Compliance- und Dokumentenmanagement. Wir erleben in der Praxis oft, dass Verwaltungen Fristen mühsam in Excel-Listen pflegen und den Mitarbeitenden wochenlang wegen Führungszeugnissen, abgelaufener Personalausweise oder Erste-Hilfe-Nachweisen hinterherlaufen müssen.

ForceHub automatisiert diesen Prozess komplett. Unsere KI erkennt im Hintergrund automatisch, wann welcher Nachweis fällig wird, kontaktiert die Sicherheitskraft proaktiv und bittet sie, das Dokument hochzuladen. Die KI prüft die Bildqualität sowie die inhaltliche Gültigkeit und berechnet bei wiederkehrenden Dokumenten direkt das neue Fälligkeitsdatum für die Zukunft.

Trotzdem gilt bei uns strikt das „Human-in-the-Loop“-Prinzip: Die Verwaltung behält immer die volle Kontrolle, sieht jeden Schritt der KI und gibt das Dokument am Ende mit einem Klick frei oder lehnt es ab. Das sichert die Compliance, ohne dass im Büro permanent jemand den Nachweisen hinterherspringen muss. Welche Dokumente und Qualifikationen dabei überprüft werden, bleibt den Unternehmen komplett selbst überlassen. Wir haben Kunden, die so bereits bis zu zehn verschiedene Nachweise parallel über ForceHub verwalten.

BVSW: Welches Problem haben Sie im Markt gesehen, das bestehende Lösungen nicht schon adressieren?

Henry Burkert: Bei uns stehen immer zwei Fragen im Vordergrund: Erstens, wie lassen sich Prozesse mittels KI optimieren, um Zeit zu sparen, und zweitens, mit welchen Mitteln wir das für den jeweiligen Kunden erreichen. Hier sind wir äußerst flexibel und wollen unseren Kunden nicht vorschreiben, mit welchen Tools sie arbeiten müssen. Die Unternehmen entscheiden selbst, wie die Mitarbeitenden mit der Plattform kommunizieren – über eine App, über E-Mail oder SMS.

BVSW: In der Lösung von ForceHub spielt Mehrsprachigkeit eine wichtige Rolle. Was bedeutet das konkret? 

Henry Burkert: Im Sicherheitsbereich arbeiten viele Menschen mit Migrationshintergrund. Wir wollen sicherstellen, dass Unternehmen trotz möglicher Sprachbarrieren hochwertige Ergebnisse bekommen, zum Beispiel bei Einsatzberichten. Derzeit unterstützen wir 20 Sprachen. Der Mitarbeiter kann den Bericht in seiner Muttersprache eingeben oder einfach sprechen. Die KI achtet darauf, dass nichts Wichtiges fehlt. Hat ein Mitarbeiter eventuell die Uhrzeit vergessen, fragt das System gezielt nach. Am Ende wird daraus ein deutschsprachiger Bericht im einheitlichen PDF-Format.

BVSW: Der EU AI Act wird seit seinem Inkrafttreten schrittweise wirksam. Wie haben Sie ForceHub darauf ausgerichtet?

Henry Burkert: Wir haben bei der Entwicklung eng mit einem Datenschutzanwalt zusammengearbeitet und alle rechtlichen Vorgaben von Anfang an in die Plattform eingebaut, EU-AI-Act-konform und DSGVO-konform. Alle Daten werden in deutschen Rechenzentren gehostet und nicht für KI-Trainingszwecke eingesetzt. 

Und auch hier gilt: Die KI handelt nie ohne Wissen und Einverständnis des Menschen. Insbesondere im Umgang mit personenbezogenen Daten ist das entscheidend. KI optimiert nur die Prozesse und spart damit Zeit, aber der Mitarbeiter in der Verwaltung hat immer das letzte Wort.

BVSW: Eine KI kann auch Fehler machen. Wie haben Sie das bei ForceHub berücksichtigt?

Henry Burkert:
Die Berichte beispielsweise werden an die Person weitergeleitet, die für die Freigabe verantwortlich ist. Sie bekommt allerdings nicht nur ein fertiges PDF, sondern erhält auch Einblick in die Konversation zwischen KI und Mitarbeiter. Damit sieht der Verantwortliche nicht nur das Ergebnis, sondern auch, wie es zustande gekommen ist und kann bei Bedarf nochmal nachfragen.

BVSW: Wie läuft der Onboarding-Prozess bei Ihnen ab?

Henry Burkert:
Alle Kunden starten mit einer 14-tägigen Testphase, in der sie die Lösung unbegrenzt ausprobieren können. Davor klären wir in einem rund einstündigen Onboarding-Meeting, worauf der Fokus in der Testphase liegen soll, wie die Kommunikation mit den Mitarbeitern üblicherweise abläuft und was das Ziel des KI-Einsatzes ist. Nach der Testphase gibt es ein Abschlussmeeting, und wenn die Kunden sich entscheiden, die Lösung weiter zu nutzen, können sie direkt in den operativen Betrieb übergehen.

BVSW: Sie sind Anfang des Jahres gestartet. Wie lief es bis jetzt und was planen Sie als nächstes?

Henry Burkert: Wir haben bereits Kunden gewonnen, zudem befinden sich einige Projekte in der Pilotphase. Außerdem haben wir die ersten Monate genutzt, um den Markt wirklich gut zu verstehen. Dafür haben wir viele Gespräche mit Unternehmen unterschiedlichster Größen geführt. Ganz neu haben wir ein weiteres Modul an den Start gebracht, nämlich unseren Telefonassistenten, der speziell für die Sicherheitsbranche trainiert wurde. Damit wollen wir vor allem die Verwaltung von kleineren Sicherheitsunternehmen entlasten und sicherstellen, dass kein Anruf untergeht, ganz gleich, ob es sich um einen Kunden oder einen potenziellen Bewerber handelt. 

BVSW: Warum haben Sie sich für eine Mitgliedschaft beim BVSW entschieden?

Henry Burkert: Als bayerisches Unternehmen war es für uns von Anfang an eine echte Herzensangelegenheit, Teil des BVSW zu werden. Uns ist ein Punkt bei der Entwicklung von ForceHub extrem wichtig: Wir wollen keine Lösung im stillen Kämmerchen entwickeln, sondern getreu dem Motto „mit der Branche für die Branche“. Der direkte Austausch, das Netzwerken auf Augenhöhe und das gegenseitige Lernen von- und miteinander sind für uns unverzichtbar, um eine Plattform zu bauen, die den Betrieben im Alltag auch wirklich hilft. Der BVSW bietet mit seinem starken Netzwerk und seiner tiefen Branchenkompetenz dafür die absolut optimalen Bedingungen für uns als junges Unternehmen.

BVSW: Vielen Dank für das Gespräch!