Der BVSW hat gemeinsam mit dem langjährigen Mitgliedsunternehmen SecCon Group GmbH eine Weiterbildung im operativen Sicherheitsmanagement entwickelt, die erstmals Qualitätsstandards in einem bislang unregulierten Markt setzt. Der Lehrgang für angehende Personenschützer stößt auf große Resonanz und wird demnächst bereits zum zweiten Mal angeboten. Einen Einblick in die Ausbildung gibt dieser Beitrag.

Ob Unternehmensvertreter, Vermögensinhaber oder Person des öffentlichen Lebens: Ein gewisser Bekanntheitsgrad kann heute ein potenzielles Sicherheitsrisiko darstellen – für die exponierte Person selbst ebenso wie für ihre Familie. Im Rahmen einer wirkungsvollen Risikobehandlungsstrategie sind neben organisatorischen und technischen Schutzmaßnahmen auch hoch qualifizierte Personenschützer erforderlich, um das Risikoportfolio deutlich zu reduzieren. Doch die Anforderungen an die Kompetenzen des eingesetzte Schutzpersonal sind intransparent und nicht reguliert.

„Rein gewerberechtlich darf jeder Personenschutz anbieten. Das Berufsfeld ist bis heute jedoch nicht qualitativ geregelt“, sagt Markus Weidenauer, Geschäftsführer der SecCon Group GmbH. Der Sicherheitsexperte verfügt selbst über langjährige Erfahrung im operativen Sicherheitsmanagement und hat das Ausbildungsprogramm gemeinsam mit dem BVSW entwickelt. Die SecCon Group GmbH gehört zu den führenden Unternehmen im Bereich des operativen Sicherheitsmanagements für exponierte Personen, Familien und Unternehmen und ist seit Jahrzehnten für diverse Klienten in diesem Feld tätig. Gemeinsam mit dem BVSW e.V. wurde das nun umgesetzte Ausbildungsformat entwickelt und mit handverlesenen Referenten und Trainern durchgeführt.

„Als Sicherheitsverband verfolgen wir das Ziel, unseren Mitgliedsunternehmen geeignetes Personal zuzuführen“, sagt Caroline Eder, Geschäftsführerin des BVSW. „Gerade im Bereich des operativen Sicherheitsmanagements haben wir einen großen Bedarf gesehen, für den es kein passendes Format gab. Mit der Weiterbildung wollen wir diese Lücke schließen.“

Vorteil durch Praxis und Netzwerk

Der BVSW bietet durch sein über Jahre gewachsenes Netzwerk die optimalen Rahmenbedingungen für eine Weiterbildung im operativen Sicherheitsmanagement. Da erkannt wurde, dass der Aufgabenbereich eines Personenschützers neben den bekannt klassischen Aufgaben viele strategische Aspekte beinhaltet. Darüber hinaus verfügt der Verband durch den intensiven Austausch mit Unternehmen über ein genaues Verständnis, welche Anforderungen heutzutage an Personenschützer gestellt werden. Im Umkehrschluss sieht sich der Verband als Vermittler zwischen den Mitgliedsunternehmen und den Lehrgangsteilnehmern, die den Lehrgang erfolgreich abgeschlossen haben. So entsteht eine echte Win-Win-Situation. Die Trainer für die Weiterbildung kommen ausschließlich aus der Praxis und bringen somit praxisorientierte Lösungsansätze ein, die sofort in den Arbeitsalltag der Lehrgangsteilnehmer integriert werden können. Hinzu kommt die langjährige Erfahrung des BVSW bei der Konzeption und Durchführung von Weiterbildungsangeboten mit dem Fokus auf praxisorientierten Lerninhalten.

Vielseitiges Ausbildungsprogramm

Die Weiterbildung ist modular aufgebaut und orientiert sich inhaltlich an den vielschichtigen Anforderungen des operativen Sicherheitsmanagements. Die Teilnehmenden werden nicht nur fachlich qualifiziert, sondern auch dazu befähigt, ihre Schutzmandate ganzheitlich zu planen und umzusetzen. Für dieses Ziel stehen theoretische Unterrichtseinheiten und Praxisübungen in sechs unterschiedlichen Handlungsbereichen auf dem Lehrplan.

1) Handlungsbereich Sozialkompetenz
Personenschutz erfordert ein Höchstmaß an sozialer Handlungssicherheit und deshalb gehört das Thema Sozialkompetenz mit zu den Ausbildungsinhalten. Die Teilnehmenden sollen zum einen lernen, sich souverän in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten bewegen zu können. Alles Wesentliche dafür wird im Ausbildungsmodul Etikette vermittelt, beginnend vom stilvollen Auftreten bis hin zu den richtigen Tischmanieren. Den Abschluss dieses Moduls bildet ein stilvolles Abendessen, bei dem die Teilnehmenden zeigen müssen, dass sie das Gelernte richtig umsetzen können. Im Modul Teambuilding steht die Fähigkeit im Fokus, mit anderen Personen in Kontakt zu treten und ihnen wertschätzend zu begegnen, um ein Ziel in arbeitsteiliger Verantwortung zu erreichen. Teamübungen im Indoor- und Outdoor-Bereich dienen dabei nicht nur der Entwicklung gruppendynamischer Kompetenzen, sondern auch der Überprüfung der körperlichen Mindestbelastbarkeit.  

2) Handlungsbereich Technik
Der Einsatz modernster Technologien ist heute ein integraler Bestandteil jedes Sicherheitskonzepts. Die Teilnehmenden erwerben Kenntnisse über die richtige Nutzung und Funktionsüberwachung von technischen Schutzmaßnahmen. Der Handlungsbereich Technik unterteilt sich in zwei Schwerpunkte: Einerseits die elektronischen Schutzmaßnahmen von Gefahrenmeldeanlagen über Videoanlagen bis hin zu Zutrittskontrollsystemen und andererseits die baulichen bzw. mechanischen Schutzmaßnahmen mit dazugehörigen Normen und Richtlinien.

3) Handlungsbereich Recht
Personenschützer agieren in einem komplexen Rechtsrahmen, entsprechend konzentriert sich der Unterricht auf das Anwenden von Eingriffsnormen. Die Teilnehmenden vertiefen ihr bereits erworbenes Wissen aus der geforderten Vorqualifikation durch praxisnahe Fallbeispiele und detaillierten Aufgabenstellungen zu aktuellen Rechtsthemen. Die Schulungsinhalte sollen die angehenden Personenschützer in die Lage versetzen, Verstöße gegen rechtliche Normen zu erkennen und rechtlich konformes Handeln für den Dienstbetrieb abzuleiten. Hierfür werden Kenntnisse im Strafrecht, der Strafprozessordnung, dem Waffenrecht sowie dem Datenschutzrecht vermittelt.

4) Handlungsbereich Operativ
Dieser zentrale Bereich der Ausbildung umfasst insgesamt 12 Tage und unterteilt sich wiederum in vier unterschiedliche Themenfelder:

Im ersten Themenblock lernen die Teilnehmenden alles über Aufklärungsmaßnahmen und wie sie richtig geplant, durchgeführt und dokumentiert werden, um gegnerische Ansätze zu erkennen. Im Weiteren werden spezielle Kenntnisse in präventiver Verhaltenserkennung vermittelt: Anhand von Mikromimik, Körpersprache und Bewegungsmustern lernen die Teilnehmenden Abweichungen vom Normverhalten zu erkennen.

Der Bereich Personenschutztaktik, der Schwerpunkt des operativen Handlungsbereichs, umfasst fünf Tage. Dabei stehen theoretische Bereiche wie Spannungsfelder in der Auftragsdurchführung, Einsatzvarianten, Einsatzmittel sowie Attentatsanalysen ebenso auf dem Programm wie umfassende praktische Übungsszenarien. Da in der heutigen Gesellschaft eine hohe weltweite Mobilität vorherrscht, werden im vierten Teil dieses Ausbildungsabschnitts Kompetenzen im Bereich Reisesicherheit vermittelt. Dazu gehören die Grundlagen des Travel Risk Managements (TRM) gemäß ISO 31030, die Erstellung einer Risikoanalyse für Reisen sowie das Notfall- und Krisenmanagement im TRM.

5) Handlungsbereich Analysen
Fundierte Analysen bilden die Grundlage jedes Schutzauftrags. Dafür vermittelt die Weiterbildung das notwendige Rüstzeug: Im Qualifikationsschwerpunkt Risikoanalysen erlernen die Teilnehmenden die Grundzüge des Risikomanagements nach ISO 31000 und dessen Anwendung in Bezug auf persönliche Sicherheitsrisiken. Im Bereich Schwachstellenanalysen an Objekten wird vermittelt, wie Schwachstellen in der täglichen Arbeitspraxis strukturiert erfasst werden und sich transparent in Berichtsform darstellen lassen.

Da sich Gefährdungspotenziale zunehmend im digitalen Raum entwickeln, gehören auch die Themen Open Source Intelligence (OSINT) und Social Media Intelligence zum Curriculum. Die Teilnehmenden lernen, im Internet frei zugängliche Informationen auszuwerten und Personenrecherchen durchzuführen.

6) Handlungsbereich Psychologie
Beim Personenschutz steht die Arbeit mit Menschen im Mittelpunkt. In diesem Themenfeld lernen die Teilnehmenden, menschliches Verhalten einzuschätzen und angemessen darauf zu reagieren. Zusätzlich stehen Themen wie Stressbewältigung, Selbstmotivation und Stärkung der Frustrationstoleranz auf der Agenda.

Weiterbildung für qualifizierte Sicherheitskräfte

Die anspruchsvolle Weiterbildung ist auf erfahrene Sicherheitskräfte ausgerichtet. Im ersten Schritt wird die persönliche Eignung im Rahmen eines Einzelgesprächs geprüft. „Unser Ziel ist es, Kandidaten herauszufiltern und auszubilden, die im Tätigkeitsfeld des Personenschutzes realistische und langfristige Beschäftigungsperspektiven haben“, sagt Weidenauer.

Die formale Voraussetzung für eine Teilnahme ist eine abgeschlossene Ausbildung im Sicherheitsbereich. Bei behördlichem Hintergrund zählen dazu die mittlere Laufbahn im Polizeivollzugsdienst oder die Feldwebellaufbahn der Feldjägertruppe. Aus der privaten Sicherheitswirtschaft werden Bewerber mit einem IHK-Abschluss als „Geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft“ zugelassen oder auch Kandidaten mit einer Ausbildung zur „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“.

Ergänzend ist eine Waffensachkundeprüfung nach § 7 WaffG für Kurzwaffen erforderlich, die ebenfalls beim BVSW abgelegt werden kann. Zu den Anforderungen gehören außerdem ein Sanitätshelfer-Lehrgang (Abschluss ebenfalls beim BVSW möglich) oder der Einsatzhelfer B der Bundeswehr, der Führerschein der Klasse B, sehr gute Deutschkenntnisse und ein Auszug aus dem Bundeszentralregister ohne Einträge.

Organisation und Ausbildungsrahmen

Die Weiterbildung ist als durchgängiges Präsenzformat konzipiert. Das bedeutet, dass sich die Teilnehmenden in einem geschlossenen Lehrgangsbetrieb befinden. Dieses Setting bietet eine realitätsnahe Trainingsumgebung, in der neben den fachlichen Inhalten auch Teamdynamik, Belastbarkeit und professionelles Verhalten unter Dauerbeanspruchung beobachtet und reflektiert werden können.

Schulungsort ist unter anderen das BayZE (Bayerisches Zentrum für besondere Einsatzlagen). Die Voraussetzungen dort ermöglichen sowohl die Vermittlung theoretischer Inhalte als auch die Durchführung komplexer Einsatzszenarien unter kontrollierten Bedingungen.

Die Weiterbildung gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Module. Den Abschluss bildet eine legendierte, dreitägige Abschlussprüfung im Realeinsatz im Großraum München.