8. Sicherheitsgipfel der deutschen Wirtschaft


BVSW Wintertagung am Spitzingsee zeigt die Grenzen der Sicherheit

 

Der Bayerische Verband für Sicherheit in der Wirtschaft (BVSW) hatte vom 13. bis 15. März 2019 zu seiner 8. Wintertagung geladen. Über 130 Sicherheitsexperten aus Politik und Wirtschaft kamen ins Arabella Alpenhotel am bayerischen Spitzingsee. Die Veranstaltung fand vor dem Hintergrund politisch unruhiger Zeiten statt. Themen wie die Digitalisierung sowie die Auswirkungen globaler Krisen auf die Sicherheitslage in Deutschland standen auf der Agenda.

Alexander Borgschulze, Vorstandsvorsitzender des BVSW, begrüßte die Gäste am Eröffnungsabend des Kongresses und übergab anschließend die Moderation an Caroline Eder, Geschäftsführerin des BVSW und Heinrich Weiss. Heinrich Weiss war bis November 2018 Geschäftsführer beim BVSW und initiierte 2012 die erste Wintertagung. Heute steht er dem BVSW als Beirat zu Seite.

 

Der Eröffnungsvortrag von Landespolizeipräsident Prof. Dr. Wilhelm Schmidbauer gab Einblicke in die Sicherheitslage Bayerns. Bayern konnte 2018 seine Position als sicherstes Bundesland erneut behaupten; die Zahl der Wohnungseinbrüche beispielsweise war bereits im vierten Jahr in Folge gesunken. Vor allem die verstärkte Fahndungs- und Ermittlungsarbeit zahlte sich hier aus, ebenso wie die verbesserte Prävention. Außerdem investiere die bayerische Polizei kräftig in die Digitalisierung: Das Konzept der „Mobile Police“ sehe vor, die Polizistinnen und Polizisten mit modernster Technik zu versehen. So soll jedes der rund 5.000 Einsatzfahrzeuge zukünftig über eine Vollausstattung mit Smartphones und Convertibles verfügen. Angesichts der wachsenden Bedrohung durch Cyberkriminalität stehe auch die Schaffung zusätzlicher Stellen für IT-Fachkräfte an.

Den Schwenk von Bayern hin zur globalen Sicherheitslage übernahm am Donnerstag Dr. Gunther Schmid, ehemals Professor für internationale Politik und Sicherheit beim BND in München und Berlin. Er thematisierte die abnehmende Fähigkeit der Politik, Krisen vorherzusehen und passende Lösungen zu erarbeiten. Obwohl es Anzeichen für Krisen wie beispielsweise den Arabischen Frühling, den Brexit oder die Flüchtlingsmigration gab, wurden Vertreter dieser Thesen von den Verantwortlichen nicht gehört. Als Gründe führte Dr. Schmid unter anderem die Komplexität der Krisen an, ebenso wie die Überlastung der Verantwortlichen durch eine stetig wachsende Flut von Informationen. Diese Fakten sowie der Wunsch der Menschen nach einfachen Lösungen bedingten oftmals einen mangelnden Weitblick bei politischen Entscheidungen.

Dass Politik durchaus ein langfristiges Ziel verfolgen kann, zeigte der Vortrag von Dr. Kristin Shi-Kupfer, Leiterin des Forschungsbereichs Politik, Gesellschaft und Medien beim MERICS. Durch die wirtschaftliche Öffnung sei das Land mittlerweile Partner und Rivale der westlichen Welt zugleich. So versuche China beispielsweise auf internationale Standardisierung Einfluss zu nehmen. Neue Technologien wolle das Land auch dazu nutzen, eine weltpolitische Führungsrolle zu erreichen.

Sebastian von Bomhard, Vorstand der SpaceNet AG, wies indes mit seinem Beitrag auf die Grenzen des Zukunftsthemas Big Data hin. Die Datenmenge steige durch diese Technologie enorm und erschwere den Blick auf die wirklich relevanten Zusammenhänge. Umso wichtiger sei es, sich klare Ziele vor dem Einsatz der Massendatenverarbeitung zu setzen.

Auch in Zeiten der Digitalisierung kann ein persönlicher Kontakt mehr Erkenntnisse liefern als jeder Datensatz. Dieser Ansicht waren die referierenden Ermittlerinnen der Holler Research GmbH, die seit über 70 Jahren Unternehmen bei der Aufklärung doloser Handlungen im Bereich des Fraud Managements, des gewerblichen Rechtsschutzes (Patentrechts-, Markenschutz- und Designrechtsverletzungen) sowie in den Bereichen der Reputation und Bedrohung unterstützt.

Klare Ziele in Sachen Cyber-Sicherheit verfolgt auch das EU-weite Konsortium Concordia, das in dem Vortrag von Prof. Dr. Gabi Dreo Rodosek, Leitende Direktorin des Forschungsinstituts CODE an der Universität der Bundeswehr in München und Brigadegeneral a.D. Johann Berger vorgestellt wurde. Concordia möchte europaweit Cybersecurity-Kapazitäten bündeln, um die digitale Souveränität Europas zu verbessern. Das Konsortium startete im Januar 2019 und umfasst Partner aus der Industrie, der Wissenschaft und anderen Organisationen.

Weit weniger zielgenau sind dagegen die Raketen aus Nordkorea. Diese Meinung vertrat Prof. Dr. Robert Schmucker vom Lehrstuhl für Raumfahrtechnik an der Technischen Universität München. Zwar belegen die letzten erfolgreichen Raketentests, dass die Technik nicht aus Nordkorea selbst stamme. Doch auch mit der entsprechenden Technik lasse sich ohne ausreichende Erprobung keine funktionstüchtige Interkontinentalrakete entwickeln. Mit diesem Vortrag schloss der zweite Veranstaltungstag.

Zur Eröffnung des zweiten Kongresstages stellte Prof. Waldemar Berg von der TH Deggendorf den neuen Bachelor-Studiengang Sicherheitsmanagement vor, der im März erfolgreich gestartet war. Der Studiengang richtet sich an Beschäftigte in der Sicherheitsbranche, die sich weiter qualifizieren wollen. Der BVSW hatte den Studiengang mitgegründet, um dem anhaltenden Fachkräftemangel in der Branche entgegenzuwirken.

Im anschließenden Vortrag erklärte Dr. Klaus Bockslaff, Geschäftsführer der Verismo GmbH, die Bedeutung von Zielen im Krisenmanagement. Gerade wenn, wie aktuell in der Politik, Krisen in immer kürzeren Abständen eintreten, ist es unerlässlich, klare Ziele vor Augen zu haben. Nur so könne man den reaktiven Modus verlassen.

Der Theologe, Bestsellerautor und Karikaturist Werner Tiki Küstenmacher gab kurz vor Kongressende hilfreiche Tipps, wie jeder in dieser komplexen Welt zu einem bewussten und erfüllten Leben finden kann. Gut zu wissen: Menschen tendieren dazu, die Welt negativer wahrzunehmen als sie objektiv betrachtet ist.

Zum Abschluss präsentierte Dr. Benedikt Franke, COO der Munich Security Conference, ein Resümee der Münchner Sicherheitskonferenz 2019. Im Zentrum der Veranstaltung stand dieses Jahr die Frage, wie trotz aller Krisen und zerfallenden Bündnisse die Kernstücke internationaler Ordnung bewahrt werden können. Diese Frage wird vermutlich auch alle Gäste der BVSW Wintertagung bis zum kommenden Jahr beschäftigen: Die 9. BVSW Wintertagung findet vom 11. bis 13. März 2020 statt, Buchungen sind ab sofort möglich.

„Auf kaum einer anderen Veranstaltung der Branche treffen so viele Sicherheitsverantwortliche zusammen wie auf der BVSW Wintertagung,“ sagt Caroline Eder. „Die Gäste profitieren von den hochkarätigen Kontakten, den Expertengesprächen sowie von unserer Themensetzung. Ein ansprechendes Rahmenprogramm rundet zusätzlich immer die Veranstaltung ab.“